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Gruppe A: Frankreich im PorträtGrand Nation im Kleinkrieg

27.05.2010, 19:20 Uhr

Am Ende der französischen Heim-WM vor zwölf Jahren stand das erste Mal der Titel. Doch der Ruhm der Grande Nation ist längst Vergangenheit - und versinkt im Kleinkrieg: Über Trainer Raymond Domenech, die Spieler und um die Qualifikation selbst erhitzen sich die französischen Gemüter.

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"Er war's!" Irische Spieler nach Frankreichs Tor im entscheidenden Spiel. (Foto: REUTERS)

Ein Trainer auf Abruf, ein Sex-Skandal um mehrere Nationalspieler und die noch nicht vergessene Handspiel-Affäre um Stürmerstar Thierry Henry: Die Grande Nation kommt seit der WM-Qualifikation im vergangenen November nicht zur Ruhe. Mit der erschummelten Fahrkarte für Südafrika durch Henrys Unsportlichkeit im entscheidenden Play-off-Spiel gegen Irland scheinen sich dunkle Schatten auf den Vizeweltmeister gelegt zu haben, die auch wenige Wochen vor der Endrunde die Vorfreude auf das Großereignis trüben.

Auch wenn Bayern-Star Franck Ribery und andere in die delikate Rotlicht-Affäre involvierte Spiel zumindest vor der WM wohl von einem formellen Ermittlungsverfahren verschont bleiben, hat der Skandal seine Spuren hinterlassen. Laut einer Umfrage der Tageszeitung France Soir sagen 57 Prozent der Befragten, dass Ribery nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen dürfe. Auch Sportministerin Roselyne Bachelott hatte schon ihr Unverständnis für die Nominierung der betroffenen Spieler zum Ausdruck gebracht.

Per Handspiel nach Südafrika

Ribery hatte laut Pariser Staatsanwaltschaft zugegeben, Kontakt zu einer Prostituierten gehabt zu haben. Er versicherte demnach aber, nicht gewusst zu haben, dass sie seinerzeit minderjährig war. Die Frage, ob Ribery über das Alter informiert war, ist entscheidend für die Einleitung eines Strafverfahrens.

Doch auch unabhängig davon hatte die Equipe Tricolore zuletzt mit reichlich Negativ-Schlagzeilen zu tun. Niemand dürfte vergessen haben, wie sich der Ex-Welt- und Europameister das Ticket nach Südafrika ermogelte, als Henry die Vorlage zum entscheidenden 1:1 durch William Gallas im Play-off-Rückspiel gegen Irland mit der Hand gab.

Diskussionen um Domenech

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Raymond Domenech rechtfertigt sich im französischen Fernsehen für seine Nominierungen. (Foto: Reuters)

Um Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech gibt es derweil schon fast traditionell Diskussionen vor einem großen Turnier. Vor der WM 2006, die für Frankreich immerhin mit der Vize-Weltmeisterschaft endete und EM 2008 war das nicht anders. Trotz der erfolgreichen Qualifikation war von Champagner-Fußball zuletzt nichts mehr zu sehen.

Was in Frankreich am meisten empört, ist, dass sich Domenech diese unverdiente Qualifikation auch noch mit 862.000 Euro an Prämien vergolden lässt - unabhängig von seinem Monatshonorar von geschätzten knapp 50.000 Euro. Und in Südafrika sahnt er noch einmal kräftig ab. Danach soll Ex-Nationalspieler Laurent Blanc seine Nachfolge antreten.

Rekord ohne Titel

Gewiss, Domenech ist der erste Trainer, der Frankreichs Nationalmannschaft dreimal in Folge für ein Turnier qualifiziert hat. Nur: Titel hat er noch nicht geholt, und der ist 2010 auch nicht in Aussicht.

Wenn dann Statistiker noch unbarmherzig vorrechnen, dass Domenech die Nationalmannschaft der einstmals Grande Nation inzwischen 73-mal betreut hat und damit während der kommenden Wochen den bisherigen Rekordhalter Michel Hidalgo (75 Spiele) ablösen wird, (Europameister 1984 mit Spielern wie Platini, Giresse, Tigana), dann dreht sich fußballliebenden Franzosen der Magen um.

Quelle: Oliver Görz, sid