Spezial
Wenn umstrittene Staatschefs, wie Hassan Ruhani aus dem Iran, auf dem WEF auftauchen, wird es interessant.
Wenn umstrittene Staatschefs, wie Hassan Ruhani aus dem Iran, auf dem WEF auftauchen, wird es interessant.(Foto: REUTERS)

Hinter den Kulissen von Davos: "Konfliktparteien sind besonders spannend"

Isabelle Körner interviewt für n-tv seit mehreren Jahren Spitzen-Manager und Politiker auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Im Interview erzählt sie ihre Eindrücke vom World Economic Forum.

n-tv.de: Wie wichtig ist die Veranstaltung aus Ihrer Perspektive?

Isabelle Körner: Das jährliche Meeting des World Economic Forum in Davos ist bislang immer ein ganz wichtiger Termin gewesen für viele Staats- und Regierungschefs oder Top-Manager. In dieser Zeit geht es rund um die Uhr um Austausch, Networking und natürlich auch Geschäfte. Sicherlich ist es nicht möglich, den Zustand der Welt in wenigen Tagen zu verbessern, aber die Gespräche dort können manchmal vielleicht ein Anfang sein. Politiker können sich auf neutralem Boden auch mal abseits eines Protokolls begegnen und Konzernchefs sparen durch diese Tage etliche Dienstreisen rund um die Welt.

Isabelle Körner berichtet für n-tv vom World Economic Forum.
Isabelle Körner berichtet für n-tv vom World Economic Forum.

Was macht für Sie den Charakter der Veranstaltung aus?

Das Faszinierende an dem World Economic Forum ist die Tatsache, dass so viele Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen: Nicht nur Staats-und Regierungschefs oder die Chefs großer Konzerne, sondern auch Wissenschaftler, Aktivisten, Nobelpreisträger oder Schauspieler. Alle haben unterschiedliche kulturelle, religiöse oder berufliche Hintergründe und tauschen ein paar Tage lang ihre Erfahrungen oder Einschätzungen für die Zukunft aus. Es geht um politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche, technologische oder gesellschaftliche Entwicklungen. Das alles finde ich sehr spannend. Es kommen Menschen zusammen, die zum Teil sehr großen Einfluss auf unser Leben haben. Unabhängig davon, ob dieser Einfluss positiv oder negativ ist, bleibt es interessant, sie auch mal hinter den üblichen Kulissen zu erleben.

Was war die spannendste Begegnung?

Es fällt mir schwer, eine bestimmte Begegnung hier hervorzuheben. Wir durften in den vergangenen Jahren mit so vielen interessanten Teilnehmern sprechen. Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, durch den Austausch dazu zu lernen und unterschiedliche Sichtweisen zu politischen oder wirtschaftlichen Entwicklungen zu erhalten. Spannend finde ich es besonders, wenn wir dazu bei diesen Begegnungen mehr über den Menschen hinter einem großen Namen erfahren dürfen. Bewegend finde ich Begegnungen mit Teilnehmern, die durch ihr Engagement einen positiven Unterschied in dieser Welt machen - unabhängig davon, ob sie dafür bislang große Aufmerksamkeit bekommen haben oder nicht. Die gibt es in diesen Tagen nämlich auch in Davos.

Video

Gibt es für Sie Interviewgäste, bei denen Sie noch aufgeregt sind?

Ja, aber nicht im Sinne nervöser Aufregung. Es ist dann eher erwartungsvolle Aufregung - zum Beispiel darüber, endlich eine Person interviewen zu können, der ich schon immer mal ein paar Fragen stellen wollte. Oder die ich für ihre Leistungen und ihren Einsatz bewundere.

Wenn führende Personen aus Wirtschaft und Politik aufeinander treffen, kommt es doch sicherlich auch zu Eitelkeiten?

Aus journalistischer Perspektive sind immer die Treffen besonders interessant bei denen Staats- und Regierungschefs von Ländern, die im Konflikt miteinander stehen, möglicherweise noch am gleichen Tag vor Ort sind. Dann ist die Spannung groß, ob sie vielleicht aufeinandertreffen könnten. Und wenn ja, was dann passiert. Im vergangenen Jahr waren zum Beispiel der iranische Präsident Hassan Rohani und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beide auf World Economic Forum.

Das WEF in Davos ist ein elitärer Gipfel - gibt es da auch Kuriositäten?

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie der kleine Ort Davos für diese Treffen auf den Kopf gestellt wird. Es fasziniert mich zudem, wie gelassen die Bewohner mit all dem Rummel umgehen. Ein Bild aus den vergangenen Jahren hat sich bei mir besonders eingeprägt: Eine Lehrerin ging mit ihrer Schulklasse mitten auf der Straße an einem der führenden Politiker dieser Welt ganz unaufgeregt vorbei ... Als wäre dies das Normalste der Welt. Das ist Davos.

Kann das World Economic Forum etwas Konkretes bewegen?

Manche Kritiker werfen dem World Economic Forum gerne vor ein Talk-Shop mit vielen Partys für Reiche und Mächtige zu sein. Es gibt Abendveranstaltungen, und es geht auch für etliche Teilnehmer ums Geschäft. Aber die politischen Gespräche, die dort stattfinden, können wie gesagt manchmal ein Anfang sein - wie die Vergangenheit gezeigt hat. Und die Diskussionsrunden können auch dazu beitragen auf Probleme, Ungleichgewichte oder Missstände in dieser Welt aufmerksam zu machen.

Mit Isabelle Körner sprach Sonja Gurris

Quelle: n-tv.de