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(Foto: REUTERS)

Erfolgreich durch Netzwerken: Wie die Finanzelite die Welt beeinflusst

Von Sandra Navidi

Was in Deutschland häufig auf Skepsis stößt, ist eine wichtige Voraussetzung für Erfolg: Netzwerken. Die Mächtigen der Welt profitieren immens von ihren Kontakten. Doch wie funktionieren diese wertvollen Beziehungsnetze?

Sandra Navidi ist Gründerin der Unternehmensberatung BeyondGlobal. Zuvor arbeitete sie als Research Director mit Starökonom Nouriel Roubini und war Investmentbankerin und Chefjustiziarin. Sie ist in Deutschland und den USA als Rechtsanwältin zugelassen. Als Finanzexpertin hat sie über 500 Interviews in internationalen Medien gegeben und Vorträge auf zahlreichen Fachveranstaltungen gehalten.
Sandra Navidi ist Gründerin der Unternehmensberatung BeyondGlobal. Zuvor arbeitete sie als Research Director mit Starökonom Nouriel Roubini und war Investmentbankerin und Chefjustiziarin. Sie ist in Deutschland und den USA als Rechtsanwältin zugelassen. Als Finanzexpertin hat sie über 500 Interviews in internationalen Medien gegeben und Vorträge auf zahlreichen Fachveranstaltungen gehalten.(Foto: Dirk Eusterbrock for Sandra Navidi)

Stellen Sie sich vor, Sie begeben sich in einen verschlafenen Skiort irgendwo in den Schweizer Alpen, und auf einmal sind Sie von den mächtigsten Menschen der Welt umgeben. Willkommen beim Weltwirtschaftsforum in Davos! Jeden Januar versammeln sich in diesem Mikrokosmos der Weltelite die Menschen und Netzwerke, die die Welt regieren.

Darunter sind auch Finanztitanen wie Milliardär George Soros, JP-Morgan-Chef Jamie Dimon und Blackrock-Boss Larry Fink, die mit ihren Entscheidungen das Weltgeschehen beherrschen. Täglich bewegen sie Billionen auf den Finanzmärkten und beeinflussen somit ganze Branchen, Arbeitsplätze, Wechselkurse und Rohstoffe – und damit auch das Leben von uns allen. Da das Finanzsystem die Basis für eine funktionierende Gesellschaft ist, haben sie besonders große Macht, die durch ihre Netzwerke noch potenziert wird.

Doch wie funktionieren diese Netzwerke? Das Finanzsystem ist ein komplexes System, das sich ähnlich wie andere Systeme, beispielsweise das Ökosystem, das Gehirn oder eine Ameisenkolonie, selbst organisiert. Allen Systemen liegen Netzwerke zugrunde und alle Aspekte des menschlichen Lebens sind durch Netzwerke verbunden. Netzwerke jeglicher Art bestehen aus Knotenpunkten, die über verschiedene Kanäle miteinander verbunden sind. Gemäß den Gesetzmäßigkeiten der Netzwerkwissenschaft verbinden sich Knotenpunkte bevorzugt mit anderen, die bereits über die meisten Verbindungen verfügen, da dies ihre Überlebenschancen sichert. Das ist bekannt als "Die-Reichen-werden-immer-reicher"-Phänomen, weil im Konkurrenzkampf um neue Verbindungen die, die schon die meisten haben, noch mehr erhalten. Durch diese Potenzierung bilden sich automatisch einige wenige zentrale Knotenpunkte, die sogenannten Super-hubs, die mit fast allen anderen Knotenpunkten des Netzwerks verbunden sind.

"$uper-hubs" ist im Finanzbuchverlag erschienen und kostet 19,99 Euro.
"$uper-hubs" ist im Finanzbuchverlag erschienen und kostet 19,99 Euro.

Wir alle beginnen unseren beruflichen Werdegang mit unserem Humankapital. Das reicht aber nicht. In unserer globalisierten hyper-verknüpften Welt ist Vernetztsein unerlässlich und zu einer eigenen Wettbewerbskategorie geworden. Beziehungen sind besonders wertvoll, weil sie persönlich und einmalig sind, ihr Aufbau Zeit und Mühen erfordern und sie ihrem Wesen nach nicht kopierbar oder digitalisierbar sind. "Beziehungskapital" schafft "Netzwerkkapital", was direkt mit finanziellem Gewinn und Macht korreliert ist und die "Beziehungsrendite" erhöht. Je hochrangiger und tiefgehender die Beziehungen einer Person sind, desto größer ist ihr Beziehungskapital. Netzwerke zahlen sich buchstäblich aus.

Finanztitanen haben nachweislich viele außerordentlich große Befähigungen, aber es sind ihre Netzwerke, die ihrem Erfolg einen Quantensprung verleihen. Sie sind geradezu ihre eigenen CNOs, "Chief Network Officers". Ihre holistische Vernetzungsmentalität erstreckt sich über ihr gesamtes Berufs- und Privatleben. In der Regel sind sie aufgeschlossen, haben ein positives Menschenbild und hegen ein aufrichtiges Interesse an anderen Menschen. Von intellektueller Neugier beseelt, sind sie bestrebt, durch gegenseitigen Gedankenaustausch zu lernen. Ihnen macht es Spaß, mit anderen Menschen zu kommunizieren und Beziehungen aufzubauen.

Für sie ist Networking keine Arbeit, sondern das natürlichste auf der Welt. Ihre Beziehungen legen sie auf lange Sicht an, oftmals ohne opportunistische Motive. Manche Beziehungen bestehen über Jahrzehnte, bevor sich ein geschäftlicher Vorteil ergibt. Erfolgreiche Netzwerkpersönlichkeiten sind einprägsam und ziehen mit ihrem Charisma und Charme andere Menschen in ihren Bann. Stets hilfsbereit verfügen sie über ausgeprägte Sozialkompetenz. Mit ihrem Sinn für Humor und ihrer "Konversationswährung", d.h. ihren exklusiven Informationen und Einblicken, gewinnen sie Menschen für sich und sichern sich Unterstützung, Informationen und Zugang zu Opportunitäten.

In Deutschland stößt Networking häufig auf Skepsis, weil es als unfair, anstößig und unethisch angesehen wird. Viele Menschen empfinden Gewissenskonflikte, wenn sie Beziehungen nur aus Eigeninteresse ohne altruistische Motive pflegen. Andere hegen eine Abneigung gegen die Tätigkeit des Networking, da sie es als unangenehm empfinden auf andere Menschen zugehen und Smalltalk halten zu müssen. Für sie stellt es eine lästige Verpflichtung und Zeitverschwendung dar.

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Quelle: n-tv.de