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Alternative Stromerzeugung: Kleinwindanlagen fürs Eigenheim

Alexander Klement

Große Windparks gehören mittlerweile zum Landschaftsbild. Auf Interesse stoßen auch so genannte Offshore-Windparks. Hierbei werden die Windmühlen des 21. Jahrhunderts im Meer positioniert – ein sehr aufwändiges Verfahren. Mittlerweile ist immer häufiger aber auch die Rede von Kleinwindanlagen.

Anwohner, die in der Nähe von großen Windparks leben, beschweren sich häufig über Schattenwurf und klagen über den Lärm.
Anwohner, die in der Nähe von großen Windparks leben, beschweren sich häufig über Schattenwurf und klagen über den Lärm.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Haus- und Grundstücksbesitzer haben die Witterung aufgenommen. Schätzungsweise 4000 Kleinwindanlagen gibt es in Deutschland. Die Kosten für die Erzeugung von 3000 bis 5000 Kilowattstunden Strom pro Kleinwindanlage liegen bei 15.000 bis 20.000 Euro – zuzüglich Mehrwertsteuer. Der Anschaffungspreis ist damit durchaus vergleichbar mit den bei Hausbesitzern weit verbreiteten und beliebten Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugnis durch die Kraft der Sonne. Warum also nicht auch den Wind nutzen?

Der Markt auf Anbieterseite ist breit, aber sehr unübersichtlich, heißt es vom Frauenhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik. Anbieter werben demnach mit falschen Leistungsangaben und versuchen auf Messen zum direkten Kauf zu überzeugen. Hier heißt es: Finger weg. Angeboten werden da Windräder fürs Hausdach bis hin zu größeren Exemplaren, die per einbetoniertem Mast meterhoch in die Luft ragen.

Mickrige Einspeisevergütung

Gegen den massenweisen Einsatz der Kleinwindanlage spricht vieles. Das Hauptargument ist erst einmal die geringe Einspeisevergütung. Während diese bei der Photovoltaikanlage hoch subventioniert ist, müssen Kleinwindanlagenbesitzer sich mit rund neun Cent pro Kilowattstunde begnügen. Die Einspeisung des Stroms ist also geradezu sinnlos. Im Vergleich: Photovoltaikanlagenbesitzer erhalten derzeit noch 39,14 Cent je Kilowattstunde.

Bei Kleinwindenergieanlagen sollte der erzeugte Strom also auch selbst genutzt werden. Das ist weder für den Singlehaushalt, noch für die städtische Kleinfamilie sinnvoll, denn wenn niemand zuhause ist, sind nur wenige Stromverbraucher eingeschaltet. Der wirtschaftliche Betrieb einer Kleinwindanlage ist äußerst fraglich. Experten raten von kleinen Aufdachanlagen ab. Diese verhalten sich ganz anders als Photovoltaikanlagen, wo nur ein leises, sonores, brummendes Geräusch des Wechselrichters tagsüber im Keller zu hören ist.

Haus als Resonanzkörper

Der Geräuschpegel spielt bei Kleinwindanlagen eine entscheidende Rolle, denn diese kann zu einer unerträglichen Lärmquelle werden. Gute Anlagen sind zwar heute sehr leise, doch wenn diesen ein ganzes Haus als Resonanzkörper zur Verfügung steht, kann das laut werden. Darüber hinaus können statische Probleme bei der Montage eines Windrades auf dem Dach entstehen. Die Vibrationen bei hohen Windgeschwindigkeiten können zu Schäden am Gebäude führen.

Außerdem gibt es in städtischen Gebieten noch ein ganz anderes Problem: Die Windgeschwindigkeiten sind dort eher bescheiden. Experten raten daher vor Installation einer Anlage, mindestens ein Jahr lang die Windgeschwindigkeiten am gewünschten Standort zu messen. Oftmals kommt man dann zu dem Ergebnis, dass es zu wenig Wind gibt und zu viele Turbulenzen auftreten.

Nachbar als Feind

In Wohngebieten tauchen darüber hinaus noch ganz andere Probleme auf: Nachbarn. Wenn die Anlage Schatten aufs Haus der Nachbarn wirft oder diese sich durch die Geräusche gestört fühlen, können aus Freunden Feinde werden.

Wenn alle Faktoren doch stimmen sollten, müssen nicht zuletzt staatliche Hürden überwunden werden. Eine Kleinwindanlage darf nicht einfach auf dem eigenen Grundstück aufgestellt oder auf dem Dach montiert werden. Um das ganze kompliziert zu machen, hat jedes Bundesland hierfür seine eigenen Regeln aufgestellt. Lediglich in Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern gibt es eine Baugenehmigungsfreiheit für Anlagen bis zehn Metern Höhe, wenn bestimmte Bedingungen wie beispielsweise die Geräuschentwicklung berücksichtigt wurden. In den anderen Bundesländern ist zum Teil eine teure statische Berechnung nötig.

2011 steht eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes an. Es könnte sein, dass sich dann die Rahmenbedingungen in Sachen Baugenehmigung und Einspeisevergütung für Windkraftanlagen ändern. Doch selbst dann bleibt ein in den Städten durch Kleinwindanlagen geprägtes Bild eher eine Vision.

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Quelle: n-tv.de