Montag, 22. März 2010
Strom für Hausbesitzer: Tchibo bietet Solar-Anlage
Alexander Klement
Bei Tchibo gibt es schon lange viel mehr als Kaffeebohnen. Der Kaffeeröster ist spezialisiert auf Sonderangebote in allen Bereichen: Kleidung, Haushaltswaren, Versicherungen und Bankangebote. Manchmal rechnen sich die Aktionen für die Kunden. Jetzt sollen Solarstromanlagen unters Volk gebracht werden.
Die Renditen von Solarstromanlagen sind gut - wenn eine gute Anlage zu einem fairen Preis in Betrieb genommen wird.
(Foto: Klaus-Uwe Gerhardt, pixelio.de)
Das Bundeskabinett hat die Kürzung der Solarförderung zum 1. Juli beschlossen. Jetzt gibt es noch Streit mit Bundesländern, die von der Solarlobby bedrängt werden. Für Hausbesitzer, die die Solarstromanlage noch vor diesem Stichtag in Betrieb nehmen wollen, wird die Zeit knapp. Viele Solarstromanlagen-Installateure sind schon ausgebucht und können die Aufträge vorher nicht mehr umsetzen. Daher besteht die Gefahr, dass man jetzt Opfer von unseriösen Anbietern wird.
In diesem Umfeld gibt Tchibo seinen Namen her, um für die Firma SiG Solar GmbH die Werbetrommel zu rühren. "Vom 23. März bis zum 19. April bietet Tchibo Photovoltaik-Anlagen der SiG Solar GmbH an", heißt es in der Tchibo-Pressemitteilung. Im Prinzip vermittelt Tchibo dabei aber nicht mehr als einen Kundenkontakt und betont, dass ein kostenloses Beratungsgespräch stattfindet.
Fakten sind Mangelware
Details sind aus dem Angebot nicht zu entnehmen, die auf einen wirklichen Mehrwert der Tchibo-Aktion schließen lassen. Verbaut werden SUN EARTH Module, die in China gefertigt werden. Die monokristallinen Solarmodule werden in der Regel mit 25 Jahren Leistungsgarantie und sieben Jahren Produktgarantie ausgeliefert. Über Tchibo erhöht sich die Produktgarantie auf zehn Jahre. Einschätzungen zu den Modulen findet man auch unter www.photovoltaikforum.com. Zusammengefasst werden die chinesischen Module dort nicht gerade als erste Wahl bewertet.
Tchibo wirbt zudem damit, dass Kunden ein Monitoring-System im Wert von 350 Euro gratis erhalten. Das Monitoring-System kann an jedem beliebigen Ort im Haus positioniert werden und wird mit den Leistungsdaten des Wechselrichters versorgt. Es erspart letztlich aber nur den Gang zum Wechselrichter. Für die Funktion der Anlage spielt es keine Rolle. Zudem nennt das Tchibo-Angebot keinerlei Anlagepreise – nicht einmal eine Beispielrechnung. Bei geschätzten Gesamtkosten von 15.000 bis 20.000 Euro (je nach Größe) für die Solarstrom-Anlage ließe sich diese Position ohnehin gut an anderer Stelle wieder aufschlagen.
Werbung mit Selbstverständlichkeiten
Das Tchibo-Angebot: 20 Jahre höchste staatliche Vergütung bekommen alle Kunde - auch ohne Tchibo.
(Foto: Tchibo)
Darüber hinaus wirbt Tchibo mit Selbstverständlichkeiten, die jeder seriöse Solarstromanlagen-Installateur mitbringt:
- kostenlose, unverbindliche Beratung mit Termin vor Ort,
- standortgerecht Planung,
- Angebotserstellung inklusive Ertragsprognose und Wirtschaftlichkeitsberechnung,
- Inbetriebnahme der Anlage und den damit verbunden "Papierkram".
Die Tchibo-Offerte ist nicht mehr und nicht weniger als ein gewöhnliches Angebot für die Intallation einer Solaranlage. Sie können genauso gut die Gelben Seiten aufschlagen oder sich von zufriedenen Nachbarn einen Solaranlagen-Installateur empfehlen lassen. Das Einholen mehrerer Angebote ist Pflicht. Stellen Sie die Angebote zum Beispiel im photovoltaikforum.com zur Diskussion und bitten um eine Einschätzung. Hier werden Modul- und Wechselrichterauswahl sowie Preisleistungsverhältnis bewertet. Die individuelle Gesamtkomposition muss stimmen. Unter www.pv-ertraege.de finden Sie die Kennzahlen, wie viel Kilowattstunden Strom pro installiertem Kilowattpeak realistisch für die Ertragsprognose in Ihrer Region sind. Beobachten Sie, ob es zu Verschattungen (auch kleinen Teilflächen) auf dem Dach durch Bäume, Giebel, Sat-Schüsseln oder andere Gebäude kommt. Dies sollte bei der Berechnung der Ertragsprognose des Solarstrom-Installateurs berücksichtigt werden. Nur so ist eine seriöse Prognose möglich.
Sollte die Finanzierung der Solarstromanlage zur Diskussion stehen, sprechen Sie den Installateur darauf an. Viele arbeiten hier bereits mit einer Bank zusammen. Vergleichen Sie das Angebot auch mit Angeboten der KfW-Förderbank und anderen Banken. Die Deutsche Kreditbank (DKB) bietet in diesem Bereich ebenfalls gute Konditionen mit einem extra für erneuerbare Energien aufgelegten Programm.
