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Überall lauert die Sünde!
Hochmut
Wollust
Völlerei
Irgendwann wird jeder schwach. Katholiken haben den Vorteil, dass sie sich von ihren Sünden auch wieder reinwaschen können. Schnell zur Beichte, ehrlich bereuen und die Verfehlungen sind vergeben. Selbstgeißelung ist nur was für Liebhaber.
Von so einem einfachen Procedere können Anleger nur träumen. Versündigen sie sich gegen die goldenen Investmentregeln, folgt die Strafe auf dem Fuße. Buße hilft nichts, Einbußen sind sicher.
Damit nachher niemand dumm aus der Wäsche guckt - hier ein für alle mal zur Warnung: Die sieben Todsünden der Geldanlage.
Warum in die Ferne schweifen, wenn's doch zu Hause sowieso am schönsten ist ...
Allen voran natürlich beim Essen. Die Vielfalt der bayrischen Küche ist legendär:
Haxn
Weißwurst
Herz, was willst Du mehr?
Abwechslung! Denn wer seine Ernährung einzig und allein auf bayrische Schmankerln konzentriert, schadet nicht nur der Figur, sondern lässt sich auch andere Gaumenfreuden entgehen.
Ein Verhaltensfehler - nicht nur beim Essen, sondern auch beim Investieren. Denn mit der Konzentration auf den Heimatmarkt wird DIE Grundregel der Geldanlage verletzt:
Breite Streuung!
Natürlich ist es verlockend, in Deutschland zu investieren: Informationen über die Aktien sind leicht zu bekommen, die Transaktionskosten sind gering. Und so stecken die Deutschen 60 Prozent ihrer Anlagen in heimische Wertpapiere.
Was viele übersehen: Auch der deutsche Markt ist starken Schwankungen ausgesetzt. Wer nur hier investiert, kann Konjunktureinbrüche nicht abfedern.
Experten empfehlen deshalb einen Richtwert von 30 Prozent deutscher Papiere im Portfolio. Der Rest sollte global gestreut werden. Wenn die deutsche Konjunktur einmal bremst, kann es an anderen Märkten schließlich weiterlaufen.
Für die Geldanlage gilt also das gleiche wie für`s Essen: Auch mal über den eigenen Tellerrand hinausschauen!
Alles zu seiner Zeit!
Wer mit zarten 20 Jahren schon zum Sesselpupser mutiert, spielt genauso mit seiner Gesundheit ...
... wie der 60-Jährige, der es sich und der Welt plötzlich beim Marathon beweisen will.
So ähnlich ist das auch mit der Geldanlage: Die Risiko-Verträglichkeit sinkt mit dem Alter. Verluste in jungen Jahren kann man im Laufe der Zeit ausgleichen, mit steigendem Alter wird der Anlagehorizont kürzer.
Eine einfache Erkenntnis, die trotzdem oft missachtet wird. Manchmal scheitert die Umsetzung auch an jugendlichem Überschwang:
Wer in jungen Jahren ohne finanzielles Polster mit riskanten Anlagemanövern gegen die Wand fährt, lässt die nächste Zeit wahrscheinlich ersteinmal die Finger von Aktien. Später kommt dann möglicherweise das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
Wenn es auf die Rente zugeht, ist es aber zu spät für Experimente. Jetzt sollte man den Aktienanteil nach und nach herunterschrauben und in sicherere Investments wie Anleihen und Schatzbriefe umschichten.
Einen genauen Zeitplan gibt es nicht, ein wenig Orientierung aber schon: Zehn Jahre vor Renteneintritt dürfte man mit einem Aktienanteil von zehn bis 20 Prozent gut bedient sein.
Also, der Rat für alle ewig Jungen und für alle, die sich weitaus älter fühlen als das Datum im Personalausweis behauptet: Benehmen Sie sich ruhig wie ein Erstsemester oder Ihr eigener Opa - aber legen Sie nicht so an!
Gehören Sie auch zu den Sammlern?
Der Kleiderschrank geht nicht mehr zu. Ob Karottenhose oder Oversize-Shirt - könnte ja alles wiederkommen und wird deshalb aufgehoben. Und die einstigen Lieblingsjeans kriegt man zwar seit Jahren nicht mehr über die Hüften - doch die Hoffnung stirbt zuletzt.
Für dieses Verhalten gibt es einen Namen: Trennungsangst. Auch Anleger leiden darunter. Sie können Aktien nicht abstoßen, wenn deren beste Zeiten vorbei sind. Und warten stattdessen jahrelang auf ein Comeback.
Dahinter steckt die Angst, Verluste anzuerkennen. Rational ist dieses Verhalten nicht. Denn eine Aktie, die heute um 50 Prozent einbricht, muss morgen um 100 Prozent steigen, um wieder auf den Ausgangskurs zu klettern.
Paradebeispiel: Die Volksaktie Telekom. Im März 2000 wurde sie noch für über 100 Euro gehandelt, danach ging's steil bergab. Wer nicht schnell genug die Reißleine zog, grämt sich beim Blick in die Kursspalten immer noch über die erlittene Schmach.
Also: Besser rechtzeitig aussteigen und erst wieder zukaufen, wenn die Aktie tatsächlich wieder Rückenwind hat.
Mit manchen Aktien ist es allerdings wie mit den Karottenhosen: Einmal und nie wieder.
Tausend andere können nicht irren, oder?
Eine Herde bietet Schutz: Wer sich in ihr bewegt, verteilt das Risiko, gefressen zu werden.
Allerdings findet man möglicherweise auch selbst weniger zu Nahrung. Denn dort, wo alle grasen, ist irgendwann nicht mehr viel zu holen. Genauso ist das auch an der Börse.
Zwar kann es durchaus sinnvoll sein, auf einen Trend aufzuspringen und Gewinne mitzunehmen. So konnte man beispielsweise mit Rohstoff- und BRIC-Aktien bislang ganz gut Rendite machen.
Allerdings wiegt man sich in der Herde auch schnell in Sicherheit. Wer die Rückzugssignale zu spät wahrnimmt, wird niedergetrampelt.
Also: wachsam bleiben! Und auch mal den ausgetrampelten Pfad verlassen und antizyklisch investieren.
Spezialisierung ist gefährlich.
Burger, Pommes und Paniertes - McDonald's galt lange als Inbegriff des Ungesunden. Hier aß man vielleicht mit schlechtem Gewissen - aber man aß. Wer sich gesund ernähren wollte, war hier fehl am Platz.
Als dann vor einigen Jahren die Übergewichts-Statistiken alarmierende Zahlen offenbarten, war der Schuldige schnell ausgemacht: McDonald's, stellvertretend für die Fastfood-Ketten dieser Welt. Von einem Jahr aufs andere brach der Gewinn um fast die Hälfte ein.
Frisches statt Frittiertes - auf die geänderten Bedürfnisse war McDonald's nicht eingestellt. Schließlich war man mit dem "Pommes und Buletten"-Konzept jahrelang gut gefahren. Einseitige Spezialisierung ist eben problematisch, auch für Anleger.
Denn wer sein Geld in einem einzelnen Sektor konzentriert, wird bei einem Einbruch der Branche mit in die Tiefe gerissen. Insiderwissen nützt da wenig.
Ganz besonders gefährdet sind diejenigen, die vor allem in der Branche investieren, in der sie arbeiten. Sie verknüpfen ihr eigenes Schicksal mit dem der Branche. Das ist gleich doppelt heikel:
Erstens: Auch Fachleute neigen dazu, Warnsignale zu übersehen, die die eigene Zukunft betreffen. Nach dem Motto, dass "nicht sein kann, was nicht sein darf" hält man einer Aktie die Treue, die man rational längst verkauft hätte.
Zweitens: Wenn sowohl das Einkommen als auch das Vermögen vom Wohl und Wehe einer Branche abhängen, stürzt man im schlimmsten Fall zusammen mit dem Arbeitgeber ab. Investitionen in anderen Bereichen können den Aufprall abfedern.
Auch bei McDonald's setzt man jetzt nicht mehr nur auf ein einziges Pferd. Inzwischen gehen auch Joghurt und Salate über die Theke. Und mit angeschlossenen Kaffeehäusern lockt man auch Starbucks-Kunden in die Filialen.
Abwechslung statt Einseitigkeit ist die Devise, mit der man fett im Geschäft bleibt.
Von wegen "no risk, no fun".
Eine Risiko-Sportart wie Freeclimbing ist nichts für Draufgänger. Im Gegenteil: Jeder einzelne Schritt wird gut überlegt, denn eine falsche Bewegung könnte den Absturz bedeuten.
Anleger suchen nicht den Adrenalinkick, sondern die schnelle Rendite. Dabei können sie von den Kletterern lernen: Je spekulativer das Investment, desto gründlicher muss es geprüft werden.
Beispiel: Afrika. Immense Rohstoffvorkommen sorgen für Wachstumsraten zwischen fünf und sechs Prozent. Und einiges spricht dafür, dass sich daran so schnell nichts ändert. Also, schnell aufspringen und Gewinne mitnehmen.
Was mancher dabei übersieht: Bestimmte Regionen sind politisch instabil. Bei den nächsten Unruhen sind die vermeintlich zukunftsträchtigen Aktien nicht mal mehr die Hälfte wert.
Gerade in volatilen Anlagebereichen ist die Verlockung groß, ohne lange Vorüberlegungen aufzuspringen. Schließlich kann die gute Chance morgen schon wieder vorbei sein.
Aber ein Bergsteiger bricht ja auch nicht auf, nur weil gerade mal die Sonne durchkommt, sondern prüft vorher den Wetterbericht.
Die Dosis macht das Gift!
Das wissen auch Apotheker, die ihre Rezepturen mit äußerster Sorgfalt mischen. Ein gefährliches Gift kann in kleiner Menge durchaus heilsame Wirkung haben.
Nun mischen Anleger keine Medizin, doch auch sie müssen auf die Dosierung achten, wenn sie ihr Depot zusammenstellen.
Professionelle Vermögensverwalter gehen ähnlich vorsichtig wie Apotheker vor: Bei einer starken Kaufempfehlung für eine Aktie erhöhen sie deren Anteil vielleicht von 1,5 auf 1,6 Prozent.
Privatanleger gehen dagegen gern auf's Ganze und schichten erstmal großzügig um.
Die richtige Mischung ist Ermessenssache. Ob der optimale Aktienanteil 30 oder eher 50 Prozent beträgt, hängt vom eigenen Sicherheitsbedürfnis ab. Da es kein Patentrezept gibt, muss sich jeder selbst Gedanken über die richtige Zusammensetzung machen.
Wer auf gut Glück zusammenschüttet und mit dem Eimer statt mit dem Messbecher dosiert, darf sich nicht wundern, wenn eine K.O.-Mischung entsteht. (Bilder: dpa, pixelio)
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