Sonntag, 06. Oktober 2002
"Reserven reichen": Allianz Leben verkauft nicht
Deutschlands größter Lebensversicherer, die Allianz Leben, will derzeit trotz der Börsenkrise keine Aktien verkaufen. Man werde jetzt keinesfalls abrupt aus Börsentiteln rausgehen, versicherte Allianz-Leben-Chef Gerhard Rupprecht dem "Tagesspiegel". Die Allianz-Tochter habe genügend stille Reserven.
Allerdings seien die stillen Reserven auf Aktienanlagen inzwischen auf Null geschmolzen, räumte Rupprecht ein. Aber es gebe noch die Reserven auf festverzinsliche Wertpapiere und Immobilien. Die Ansprüche der Kunden seien nicht nur vollgedeckt - nein, sie seien sogar überdeckt, so der Unternehmenschef. Die Versicherung verfüge derzeit über Kapitalanlagen von rund 100 Mrd. Euro.
Erst am Vortag hatte der Vorstandsvorsitzende des Mutterkonzerns Allianz, Henning Schulte-Noelle, erklärt, dass die Allianz nicht in die Falle laufen werde, den Aktienanteil zu sehr herunterzufahren, um der Entwicklung hinterher zu laufen, sobald der Markt drehe. Auch plane die Allianz derzeit keine Kapitalerhöhung, betonte Schulte Noelle.
Die derzeitige Börsenflaute macht den Versicherungsunternehmen derzeit schwer zu schaffen. Da die Konzerne einen erheblichen Anteil ihres Kapitals in Aktien anlegen, sind die Verzinsungen der Lebensversicherungen in Gefahr.
In den vergangenen Wochen hatten einige große europäische Versicherer Kapitalerhöhungen angekündigt oder realisiert, darunter Aegon und Swiss Life. Branchenexperten hatten daraufhin eine solche Maßnahme auch bei der Allianz erwartet, da die Gesellschaft ihrer Meinung nach durch den schrumpfenden Börsenwert zu einem Übernahmeobjekt werden könnte.

