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Donnerstag, 17. Februar 2005

Schlitzohrigkeit hilft "fasten": Als die Biber Fische wurden

Eine Vielzahl amüsanter Anekdoten rund um die Fastenzeit ist der Schlitzohrigkeit katholischer Mönche zu verdanken. Im Jahr 325 hatte das Konzil von Nicäa festgelegt, dass die vorösterliche Fastenzeit vom Aschermittwoch an 40 Tage zu dauern habe, Sonntage wurden dabei nicht mitgezählt. Fasten hieß damals eine einmalige Sättigung. Für viele Gläubige bedeutete dies Brotsuppe, Wasser und strikt kein Fleisch - ein hartes Gebot.

Die strengen Fastenregeln galten auch in den Klöstern. Doch die Mönche fanden Wege und Mittel, sich zwar eisern an die Vorschriften zu halten und gleichzeitig dennoch nicht auf alles verzichten zu müssen. So wird vom Kloster Andechs überliefert, dass der dortige Frater Brauer in der Fastenzeit statt wie gewöhnlich täglich 18 Maß Bier nur zehn Maß Gerstensaft getrunken haben soll. Die Rechtfertigung kam hochgelehrt, natürlich in der lateinischen Kirchensprache daher: "Liquida non frangunt ieunum", zu deutsch: Flüssiges bricht Fasten nicht - schon war der Biergenuss legitimiert.

Doch mit Bier allein war die Fastenzeit nicht durchzustehen, auch wenn der Passauer Domherr armen Leuten zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag täglich eine Maß Freibier gewährte. Dazu passte der Spruch: "Das Wasser gibt dem Ochsen Kraft, dem Menschen Bier und Rebensaft. Drum danke Gott als guter Christ, dass du kein Ochs geworden bist." Den Mönchen genügte das normale Bier als einzige Nahrungsquelle nicht. Sie erfanden gerade in der Fastenzeit das süffige Starkbier und noch einiges dazu.

Fleisch war zur "Reinigung der Sinne" durch Fasten strikt untersagt, Fisch als "Fleischersatz" aber erlaubt. Viele Klöster legten sich Fischteiche an, um versorgt zu sein. Und das führte dazu, dass sogar eine neue Fisch-Spezies auf den Tischen landete: der Biber. Mönche erklärten ihn zu einem fischähnlichen Wassertier, schon war er ein "erlaubter Leckerbissen" auf dem vorösterlichen Speiseplan. Von einigen Klöstern wird zudem berichtet, dass Enten zu einer "Art Fische" erklärt worden sein sollen, doch dieser Braten galt eigentlich als "sündiger Genuss".

Die Schwaben waren besonders schlau. Sie erfanden der Überlieferung zufolge eine Fastenspezialität nach dem Motto "Fleisch, das man nicht sieht, existiert nicht" und brachten wohlschmeckende, mit Fleisch gefüllte Maultaschen auf den Tisch.

Heute ist das Fasten für viele Nichtgläubige ein Abspeckprogramm. Dies missfällt der Kirche, denn die Fastenzeit galt und gilt als Einheit von Beten, Fasten und Spenden. "Als Wellnessprogramm mit religiösem Gütesiegel" taugt das Hungern nicht, sagt etwa der schwäbische Wallfahrtsdirektor Wilhelm Imkamp von Maria Vesperbild in Nordschwaben. Abnehmen ist für ihn keine "religiöse Leistung". Durch das Fasten solle Erkenntnis über das Sein in der Welt reifen.

Dazu hatten die katholischen Gläubigen früher viel Gelegenheit, denn die Kirchengebote schrieben übers Jahr insgesamt 120 Fastentage vor: an Dreikönig, vor Ostern und das Erntefasten von Mariä Himmelfahrt bis 13. September. Hinzu kamen das Martini-, Weihnachts- und sogar Silvesterfasten.

(von Nikolaus Dominik, dpa)

Quelle: n-tv.de