Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
DO 12° / 25°
FR 8° / 22°
Archiv

Montag, 07. Januar 2008

Biodiesel-Branche unter Druck: Angst vor der Konkurrenz

In der Biodiesel-Branche sind harte Zeiten angebrochen. Nach der Aufbruchstimmung der ersten Jahre sehen sich die Biokraftstoff-Produzenten nun mit härteren Bedingungen konfrontiert. "Das Sterben in der Branche hat begonnen", sagt der Vorstandsvorsitzende der EOP Biodiesel AG in Falkenhagen (Prignitz), Sven Schön. "Wir haben eine Überproduktion von etwa 300 Prozent im Land. Es vergeht kaum eine Woche, in der uns nicht mindestens ein Biodieselwerk zum Kauf angeboten wird."

Schuld an der Misere seien vor allem die hohen Steuern und die gestiegene Rohstoffpreise. Von der Bundesregierung fordert er eine Gleichbehandlung biogener Treibstoffe mit anderen erneuerbaren Energien wie Biogas, Sonnenenergie und Windkraft. "Wir gingen davon aus, dass die Steuerlast von neun Cent je Liter auf Endverbraucher, Hersteller und Zwischenhändler verteilt werden kann.", so Schön. Stattdessen aber habe der Hersteller sie allein zu tragen. "Das schmälert natürlich den Gewinn."

Teures Saatgut

Die neue Lage schlägt sich bereits in Büchern nieder: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres habe EOP seinen Umsatz zwar um 72 Prozent auf 18,1 Mio. Euro gesteigert. Gleichzeitig sei aber der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr rund 500.000 Euro niedriger ausgefallen. Durch mäßige Ernten und Spekulationen an den Rohstoffbörsen hätten sich die Preise für Rapssaat verdoppelt, erläuterte Firmenchef Schön. "Wir können nur überleben, wenn wir einer der größten Biodiesel-Produzenten im Land sind."

Aus dem sogenannten B-100-Markt, wo Biodiesel direkt für die Tankstellen hergestellt und vertrieben wird, hat sich EOP bereits verabschiedet. "Der Markt ist nach der Besteuerung eingebrochen. Viele Spediteure tanken jetzt wieder mineralischen Diesel im Ausland." Seit der Erhöhung der Mineralölsteuer zum Jahresbeginn schlagen die Produktionskosten nach seinen Angaben mit 1,27 Euro je Liter zu Buche. Beim Biodiesel für Tankstellen entspreche dies einem Verlust von etwa 20 Cent pro Liter.

Vor diesem Hintergrund konzentriert sich der ostdeutsche Biodiesel-Produzent auf den Markt für gemischte Diesel-Kraftstoffe. EOP liefert mittlerweile schon mehr als die Hälfte des Ausstoßes in den so genannten B5-Markt. Und das Unternehmen will wachsen: "Wir bauen zur Zeit für etwa zwei Mio. Euro eine Anschlussbahn mit zwei Gleisen, um so unser Unternehmen über die Schiene mit Rohstoffen zu versorgen und fertige Produkte mit Kesselwagen auszuliefern." Diese Investition in die Zukunft sei einfach notwendig. Schon 2008 werde wohl in Falkenhagen die Produktionskapazität von 130.000 Tonnen Biodiesel erreicht und vermarktet.

Abhängig vom Autobau

Unter anderem werde dies möglich, indem Pflanzenöl aus der eigenen Mühle in Lettland in die Prignitz geliefert wird und Rohstoffe aus der Ukraine und Polen über die Seehäfen nach Brandenburg kommen. Es werde wichtig sein, dass sich die Automobilindustrie auf Biodiesel und Beimischungen von bis zu 20 Prozent im Jahr 2020 einstellt. Für die Branche gehe es hier um Investitionssicherheit, bemerkte Schön in Richtung Politik.

Erst Ende November hatte Agrarminister Horst Seehofer Hoffnungen der Biosprit-Hersteller auf eine Steuerentlastung genährt. Er werde "sehr, sehr dran bleiben", dass die Konkurrenzfähigkeit von Biokraftstoffen "in jeder Facette" erhalten bleibe. Dabei habe er aber Anlagen jeder Größe im Blick. Nach Angaben Seehofers gibt es in allen Fraktionen Überlegungen, die bestehenden Besteuerungsregeln für Biosprit zu ändern, um der mit Problemen kämpfenden Branche zu helfen.

Die Steuerbefreiung für Biodiesel fiel bereits 2006. Seit August des Jahres kassiert der Staat bei Biodiesel rund neun Cent pro Liter. Bis 2012 soll dieser Satz nach den bisherigen Plänen jährlich um rund sechs Cent steigen. Wirtschaftsminister Michael Glos beklagte die ungleiche Besteuerung von heimisch erzeugtem Biodiesel und importiertem Pflanzenöl, das nicht belangt werde. Hier bedürfe es dringend einer Anpassung.

Artikel versenden

Biodiesel-Branche unter Druck: Angst vor der Konkurrenz

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.