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Faszination Funkuhr: Atomuhr wie bei Superman

Von Hubertus Volmer

Funkuhren mögen manche Menschen für eine Spielerei halten. Aber das ist mir egal. Ich bekenne: Auch ich besitze eine.

Ich habe sie vor ein paar Jahren geschenkt bekommen. Als ich sie auspackte, war ich erst mal nicht sonderlich begeistert. Doch dann erlag ich ihr. Der Faszination der Funkuhr.

Wie alle Funkuhren in Zentraleuropa erhält auch meine ihre Uhrzeit aus Braunschweig, genauer: von den Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, die in Braunschweig ihren Sitz hat. Atomuhren. Das klingt nach Science-Fiction aus den sechziger und siebziger Jahren, nach Superman und Batman. Es klingt fantastisch.

Seit 1977 sendet die Physikalisch-Technische Bundesanstalt ihr Zeitsignal über den Sender DCF77 in Mainflingen bei Frankfurt am Main. Die Uhrzeit der PTB ist für Deutschland maßgeblich. Die Bundesanstalt hat gleich mehrere Atomuhren in Betrieb, seit ein paar Jahren auch eine so genannte Cäsium-Fontäne. Das ist die beste von allen: In 30 Millionen Jahren hat sie eine Abweichung von einer Sekunde.

Das gilt natürlich auch für die Funkuhr, die mein Handgelenk schmückt. Eine Sekunde Abweichung in 30 Millionen Jahren. Eine lange Zeit. Mir ist es egal, ob meine Uhr in 30 Millionen Jahren um eine Sekunde falsch geht, so genau nehme ich das nicht.

Natürlich hat meine Uhr keine digitale Anzeige, sondern ein ganz normales Zifferblatt. Die Umstellung von Normal- auf Sommerzeit lässt sich deshalb hübsch anschaulich verfolgen. Wie von Geisterhand dreht sich der große Zeiger einmal im Kreis. Der kleine folgt ihm, er kann nicht anders.

Noch spektakulärer ist das Schauspiel, das meine Uhr mir alljährlich Ende Oktober bietet. Der Minutenzeiger dreht sich elf Mal um das Zifferblatt herum. Auch der Stundenzeiger macht fast eine ganze Drehung.

Meine Wanduhr, meinen Wecker und die Uhren im Auto, im Faxgerät und im Videorekorder muss ich per Hand umstellen. Ich mache das nach und nach, man hat ja ein halbes Jahr Zeit dafür. Hauptsache, meine Funkuhr geht richtig.

Um ehrlich zu sein: Ich bin noch nie aufgeblieben und habe nachts um zwei oder drei dabei zugesehen, wie sich die Zeiger meiner Funkuhr drehen. Ein paar Mal habe ich jedoch die Uhr ausgeschaltet, den Funk-Empfang aus Mainflingen unterbrochen. Wenn man sie dann einschaltet, drehen sich die Zeiger solange vor, bis die Zeit wieder stimmt. Ein herrlicher Anblick.

Quelle: n-tv.de