Montag, 30. Juni 2008
Schlechte Aussichten für 2009: Autobranche ernüchtert
Angesichts der rasant gestiegenen Benzinpreise stehen die Autobauer in Deutschland vor einem weiteren schwarzen Jahr. Nachdem die Branche 2007 wegen der Mehrwertsteuererhöhung einen Negativrekord verbucht hatte, schwinden auf Europas größtem Pkw-Markt auch die Hoffnungen auf eine Trendwende in diesem Jahr. Das Center Automotive Research (CAR) in Gelsenkirchen von Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer hat seine Absatzprognose für das laufende Jahr wegen der hohen Benzinpreise auf 3,1 Millionen Autos gesenkt. Bisher waren die Marktforscher von 3,3 Millionen Neuregistrierungen ausgegangen.
Die Hersteller hatten sich von der Umstellung der Kfz-Steuer vom Hubraum auf den CO2-Ausstoß der Autos Anreize zum Kauf von Neuwagen erhofft. Die Bundesregierung will zwar im Herbst die Einzelheiten bekanntgeben. Experten bezweifeln aber, ob das die Verbraucher noch in diesem Jahr mehr Vertrauen fassen lässt. Greifen soll die neue Steuer ohnehin erst 2010.
Weniger Neuzulassungen
Wenn der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Mittwoch in Berlin Zwischenbilanz zieht, dürfte er trotzdem an der Prognose von 3,2 Millionen verkauften Neuwagen festhalten. Auch der Importeursverband VDIK geht davon aus, dass 2008 in Deutschland etwas mehr Wagen als im vergangenen Jahr neu registriert werden. Im vergangenen Jahr waren mit 3,15 Millionen Einheiten so wenige Pkw neu zugelassen worden wie seit der Wiedervereinigung nicht.
Im Juni traten die Neuanmeldungen Branchenkreisen zufolge auf der Stelle. "Wir hatten ein leichtes Plus, nichts Spektakuläres", sagte eine mit den Statistiken vertraute Person. Allerdings hatten die Händler im vergangenen Monat an einem Tag mehr geöffnet als im Juni 2007. Im Mai waren die Neuanmeldungen um sechs Prozent gesunken.
"Nächstes Jahr wird es hart"
Im nächsten Jahr könnten die Verkaufszahlen in einer sich abschwächenden Konjunktur erstmals seit 1989 auf weniger als drei Millionen Einheiten sinken, schätzt Institutsleiter Dudenhöffer. Die Flaute werde auf das Geschäft mit Firmenwagen durchschlagen, von dem viele Hersteller inzwischen recht und schlecht leben. Die verunsicherten Privatkunden kaufen schon seit längerem kaum neuen Autos. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge auf deutschen Straßen liegt bei fast neun Jahren.
"Nächstes Jahr wird es hart", prophezeit Dudenhöffer. Er begründet dies vor allem damit, dass die Autobauer zu wenige "Sparautos" im Angebot haben. Die Hersteller arbeiten zwar mit Hochdruck daran, den Verbrauch ihrer Flotten zu senken. Autos mit einem Benzinverbrauch von nur zwei oder drei Litern auf 100 Kilometer gibt es aber noch kaum. Ein breiteres Angebot von Hybridautos, die einen herkömmlichen Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb kombinieren, wird erst in einigen Jahren erwartet. Elektroautos, die ganz auf das teure Benzin verzichten können, bleiben auf absehbare Zeit ein Zukunftstraum.
Jan Christoph Schwartz, reuters

