Montag, 21. Juli 2008
Finanzkrise macht vorsichtig: Banken horten Geld
Die seit einem Jahr tobende Finanzkrise hat die Bankenbranche gehörig durcheinandergewirbelt. Die Auswirkungen bekommen auch die Verbraucher positiv oder negativ zu spüren. Wer sein Geld anlegen will, wird von den Banken mit hohen Zinsangeboten angelockt. Wer dagegen Geld braucht, muss mit höheren Kosten rechnen.
Für Tagesgeld und Festgeld bieten einige Institute mehr als fünf Prozent; das liegt weit über dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) von 4,25 Prozent, zu dem die Institute sich bei der Notenbank selbst Geld besorgen. Doch die Freude über den Zinsgewinn wird von der Rekordinflation getrübt, die im Juni mit 3,3 Prozent so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr war. Und wer als Bankkunde einen Kredit aufnehmen will, muss hohe Zinsen schultern. Die Banken buhlen um das Geld der Kunden und verleihen es aber nicht mehr freigiebig.
Misstrauen grassiert
Normalerweise leihen sich die Banken untereinander große Summen. Doch seit Beginn der US-Immobilienkrise und dem Ausbruch der Finanzkrise grassiert das Misstrauen. Hat der Konkurrent vielleicht noch Löcher in seinen Bilanzen? Da horten die Banken das Geld lieber. Gleichzeitig haben Großbanken den Privatkunden neu entdeckt, weil das Investmentbanking wegen der Finanzkrise nicht mehr die üppigen Gewinne früherer Zeiten abwirft.
"Die hohen Tagesgeldzinsen sind vor allem Folge des hart umkämpften Marktes", sagt der Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken, Thomas Schlüter. Der Verband verweist darauf, dass die Zinsen, die die Banken zahlen oder nehmen, nur zu einem kleinen Teil von den Leitzinsveränderungen der EZB abhängen. Die Notenbank steuert laut Verband weniger als fünf Prozent der gesamten Einlagen der Banken bei.
Viel wichtiger sind die Zinssätze, die am Geldmarkt gezahlt werden - und diese steigen schon lange. Weltweit haben die Notenbanken mehrfach mit Milliardenspritzen ein Austrocknen des Geldmarktes verhindert, doch das Misstrauen der Banken bleibt. Der Zinssatz Euribor, zu dem die europäischen Banken sich untereinander Geld leihen, liegt (bei 6 Monaten Laufzeit) bei 5,2 Prozent - also deutlich über dem Leitzins. Parallel zum Zinssatz am Geldmarkt sind auch die Zinssätze für Baudarlehen schon seit Monaten kontinuierlich gestiegen.
Zinsen für Dispo- und Ratenkredite steigen
Der starke Wettbewerb hindert die Banken nicht daran, ihre Zinssätze für Dispo- und Ratenkredite nach oben zu schrauben und ihre Kosten an die Kunden weiterzugeben. "Besonders hohe Zinsen zahlen Verbraucher für den Dispokredit auf dem Girokonto, wo Banken mittlerweile bis zu 17 Prozent Zinsen kassieren", schreibt Europas größte Direktbank ING-DiBa. Als Kreditnehmer ist es zudem nicht mehr so leicht, an Geld zukommen. Verbraucher müssen mehr Sicherheiten hinterlegen. "Die Banken müssen angesichts der Finanzmarktentwicklung die Risiken genauer als früher in den Blick nehmen", teilte der Bundesverband deutscher Banken mit. "Auf eine Kreditklemme gibt es aber keine Hinweise", sagt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.
Doch es wächst die Sorge um die Konjunktur. Der private Verbrauch sollte in diesem Jahr zum Treiber des Wirtschaftswachstums in Deutschland werden. Allerdings zieht die Inflation den Verbrauchern an Tankstellen und im Supermarkt das Geld aus der Tasche. Das Inland kann den Bremsfaktoren aus dem Ausland nichts entgegensetzen. Der Export leidet unter dem Konjunktureinbruch in den USA, dem starken Euro und dem hohen Ölpreis. Einige Ökonomen befürchten bereits eine Rezession, also zwei aufeinanderfolgende Quartale, in denen die Wirtschaft schrumpft. "Wir müssen uns anschnallen", sagt Volkswirt Andreas Rees von UniCredit.



