Mittwoch, 03. April 2002
Weniger Risiko, mehr Erträge: Banken vor dem Aufschwung
Einbrechende Aktienmärkte und die weltweite Konjunkturabkühlung haben im vergangenen Jahr in den Büchern der großen Bankkonzerne ebenso wie in den Depots der Bank-Aktionäre deutliche Spuren hinterlassen. Mit den ersten Anzeichen einer Konjunkturerholung wird die Branche jedoch für Anleger wieder interessant.
Alexander Plenk, der für die Bankgesellschaft Berlin den Finanzsektor analysiert, ist überzeugt: "Das Schlimmste liegt auf jeden Fall hinter uns. Mit einem double dip ist nicht zu rechnen. Wir rechnen auf jeden Fall mit einem Aufschwung im Laufe dieses Jahres, der sich dann auch am Aktienmarkt und in der Ergebnisentwicklung der Banken bemerkbar machen wird."
Belebung am Kapitalmarkt
Die Risikovorsorge der Banken könne 2002 noch einmal so hoch ausfallen wie im Vorjahr, so der Experte im Gespräch mit n-tv. Mit einer Verschlechterung sei aber auf keinen Fall mehr zu rechnen. Der einsetzende Aufschwung werde vielmehr zu einer Belebung am Kapitalmarkt führen. Für die Banken bedeute dies steigende Provisionseinnahmen und höhere Handelsergebnisse. Beide Ergebniskomponenten gewinnen schon seit einigen Jahren gegenüber dem Zinsergebnis immer mehr an Bedeutung.
Unter den europäischen Instituten rechnet Plenk die Deutsche Bank und BNP Paribas zu den Favoriten. Beide würden zu den Gewinnern des angenommenen Konjunkturszenarios zählen und seien vergleichsweise stark im Investmentbanking präsent. In Spanien sieht der Analyst Banco Popular im Vorteil. Neben der Ertragsstärke der Bank und der hohen Kreditqualität bilde der vergleichsweise geringe Anteil des Lateinamerikageschäfts einen nicht zu unterschätzenden Pluspunkt. Die spanischen Branchenführer BBVA und SCH seien demgegenüber stark in Lateinamerika engagiert und würden durch entsprechende Risiken belastet.
Bei der niederländischen ABN Amro überzeugen Plenk die hohen Kostensenkungspotenziale. Allerdings habe der Aktienkurs die positive Entwicklung schon weitgehend vorweggenommen. In Deutschland lasse neben der deutschen Bank vor allem die Hypovereinsbank (HVB) eine positive Ergebnisentwicklung erwarten. Die mit der Fusion der beiden Vorgängerinstitute angestrebten Synergieziele seien inzwischen erreicht.
"Mergermania" vorbei
Von der immer wieder diskutierten Spekulation auf Übernahmephantasien rät Alexander Plenk eher ab. Die in diesem Zusammenhang immer wieder genannte Commerzbank bewertet er derzeit nur als Sector Underperformer. In den nächsten Wochen werde sich zeigen, ob es dem Institut im ersten Quartal gelungen sei, seine Kosten wie geplant zu senken. Der Aktienkurs reagiere im Moment ohnehin weniger auf die konkreten Unternehmensergebnisse als auf die wechselnden Meinungen am Markt. Nach dem ergebnislosen Übernahmepoker könnten Anleger das Interesse verlieren und die Aktie möglicherweise unter Verkaufsdruck geraten lassen.
Generell rät Plenk Anlegern, eher auf die fundamentale Situation von Banken als auf mögliche Übernahmespekulationen zu achten. Die Mergermania sei vorbei. Wegen der zurückgegangenen Kurse könnten die Banken ihre eigenen Aktien zudem nur noch begrenzt als Akquisitionswährung einsetzen. Lohnender sei es deshalb, sich bei seinen Anlageentscheidungen an einem Vergleich von Kennzahlen wie dem Return on Equity oder dem Kurs-Buchwert-Verhältnis zu orientieren. Außerdem sollten Anleger stets einen Blick auf das Kreditgeschäft der Banken und auf das Niveau der Risikovorsorge werfen.



