Samstag, 29. September 2007
Neues Stadtschloss: Berliner Anteil ist sicher
Der von Berlin verbürgte Finanzanteil für den Schlossneubau ist nach den Worten von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sicher. "Die 32 Millionen Euro für das Humboldt-Forum, die der Regierende Bürgermeister (Klaus Wowereit/SPD) zugesagt hat, die stehen", sagte Junge-Reyer der dpa in Berlin. "Wowereit stellt sich nicht hin und sagt diese Summe zu, wenn es nur den leisesten Zweifel daran gibt", sagte die Senatorin.
Im Haushaltsausschuss des Bundestages hatten Abgeordnete Fragen zu der Finanzkraft des mit 60 Milliarden Euro verschuldeten Landes geäußert und Aufklärung über die Erstausrüstung des Humboldt-Forums in Höhe von 72 Millionen Euro verlangt. Deshalb wies er den Finanzierungsantrag zum Schloss an das Bauministerium zurück. Das Ministerium soll bis 7. November ein genaueres Finanzierungskonzept vorlegen. Bisher hatte es die Kosten für den Bau des Stadtschlosses mit 480 Millionen Euro angegeben. Die Ausrüstung wird von den künftigen Nutzern des Schlosses bezahlt, zu der die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Berliner Landesbibliothek gehören.
"Es ist das gute Recht des Haushalts-Ausschusses, Fragen zum Finanzkonzept zu stellen", unterstrich die Senatorin. Dennoch gebe es keinen Zweifel daran, dass bei Bund und Land der Wille zum Bau des Humboldt-Forums bestehe. Durch die Überarbeitung des Konzepts wird nach Einschätzung Junge-Reyers auch nicht der Start des Architektenwettbewerbs im November verzögert.
Nach einem Beschluss des Bundestages aus dem Jahr 2002 soll das 1950 von der DDR gesprengte Stadtschloss der Hohenzollern mit drei barocken Fassaden wieder aufgebaut werden. Die vierte Seite zur Spree hin soll modern gestaltet werden. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte vorgeschlagen, mit der Gestaltung dieser vierten Seite an den Palast der Republik zu erinnern, der derzeit wegen Asbestverseuchung komplett abgerissen wird. An seiner Stelle soll von 2010 bis 2013 das Humboldt-Forum entstehen.
Junge-Reyer lehnte diesen Vorschlag Tiefensees ab. "Ich bin sehr skeptisch, wie so ein Erinnern gestaltet werden sollte", sagte die SPD-Politikerin. "Das pure Wiederholen von Fassadenteilen des Palastes kann es nicht sein. Das pure "Hammer und Sichel" kann es auch nicht sein. Die typische Bronze-Farbe der Fenster des Palastes zu wiederholen, kann es auch nicht sein. Dann stellt sich schnell die Frage, ob es Kunst oder Kitsch ist". Die Spannung für den Architektenwettbewerb entsteht aus der Aufgabe, drei barocke und eine moderne Fassade zu entwerfen. "Das ist ein bisschen spannender als das bloße 1:1", sagte die Senatorin.
Gespräch: Kirsten Baukhage, dpa

