Freitag, 03. März 2006
Sie tanzten nur einen Winter: Berliner "Goya" pleite
Der Berliner Szene-Club "Goya" hat nur drei Monate nach seiner Eröffnung Insolvenz angemeldet. Der Betrieb werde jedoch weiter gehen, sagte Rolf Rattunde von der Anwaltskanzlei, die das Insolvenzverfahren betreibt. Als Gründe für die Insolvenz nannte er vor allem die Altlasten durch die rund zehn Millionen Euro teure Sanierung des ehemaligen Metropol-Theaters am Nollendorfplatz. "Das Geschäft funktioniert ja", fügte er hinzu.
"Goya"-Sprecherin Viviana Giaretti hatte zuvor einen entsprechenden Bericht der "Berliner Morgenpost" bestätigt, wonach beim Amtsgericht Charlottenburg ein Insolvenzantrag gestellt wurde. Der Club, der sich in erster Linie aus Aktienverkäufen finanzierte, hatte erst am 1. Dezember mit einer großen Gala eröffnet. "Wir sehen die Insolvenz als Chance. Jetzt starten wir richtig durch", zeigte sie sich zuversichtlich.
Keine Entlassungen
Nach Angaben Rattundes von der Kanzlei Leonhardt & Partner sind derzeit keine Entlassungen von Mitarbeitern geplant. Das Gehalt werde nun zunächst als Insolvenzausfallgeld von der Agentur für Arbeit übernommen. Die Aktiengesellschaft habe "kaum finanzielle Reserven" gehabt, fügte er hinzu.
Rattunde kündigte an, dass nun über neue Investoren nachgedacht werden müsse. So sei es möglich, über eine "Kapitalerhöhung an die Aktionäre heranzugehen oder weitere Teilhaber zu finden". Der Geschäftsbetrieb und "alle gebuchten Veranstaltungen werden wie geplant durchgeführt", betonte er.
Raacke, Götz, van Almsick
In den vergangenen zwei Monaten reichten die Gästezahlen für einen rentablen Betrieb im großen, umgebauten Metropoltheater allerdings nicht aus. Als Gründe für den schlechten Start sieht der Club ein Missverständnis bei Berliner Szenegängern. Das Goya sei für einen reinen Aktionärsclub gehalten worden, hieß es weiter. Kritiker hatten Eintrittsgelder in Höhe von zehn Euro allerdings von Beginn an für zu hoch gehalten.
Um Aktionär des "Goya" zu werden, waren für 1.980 Euro 20 Stammaktien zu erwerben. Dafür gab es lebenslangen freien Eintritt sowie Zutritt zur Aktionärsetage. Anteile am Nachtclub halten auch Prominente wie Dominic Raacke, Hertha-Trainer Falko Götz oder Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick.
Innerhalb weniger Monate ist damit der zweite Berliner Promi-Treff von der Schließung bedroht. Erst im November vergangenen Jahres hatte die "Paris Bar" an der Kantstraße Insolvenz angemeldet.



