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Montag, 02. August 2004

Mit Schere, Scanner und Fax: Bilanzfälschung la Parmalat

Die Bilanzfälschungen beim zahlungsunfähigen italienischen Lebensmittelriesen Parmalat sollen zu einem großen Teil auf einfachste Weise mit Schere, Scanner und Faxgerät erledigt worden sein. Das gehe aus ersten Aussagen beteiligter Manager hervor, wie das „Wall Street Journal Europe“ unter Berufung auf Ermittler berichtete.

So sei unter anderem im März die gefälschte Bestätigung zu einem Konto mit knapp vier Milliarden Euro bei der Bank Of America entstanden. Das Dementi der Bank hatte den Bilanzskandal losgetreten.

Für den angeblichen Brief der Bank of America soll ein Parmalat-Mitarbeiter das Logo aus einem alten Dokument ausgeschnitten und eingescannt und damit ein Fax für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton fabriziert haben. Aus einem anderen Brief sei die Unterschrift einer Bankmitarbeiterin reingeklebt worden. Dass die Wahl dabei auf die Bank Of America fiel, sei purer Zufall gewesen. Das Vorgehen sei ein gängiges Fälschungsverfahren gewesen. Außerdem sei abgezweigtes Geld als Kredite an Unternehmen des inzwischen verhafteten Firmengründers Callisto Tanzi getarnt worden, die später nur auf dem Papier zurückgezahlt worden seien.

Am Mittwoch wurde auch gegen zwei Mitarbeiter von Grant Thornton Haftbefehl erlassen. Die Firma hatte die Bilanzen der Tochterfirma Bonlat geprüft, über die der Großteil der Finanzmanipulationen lief. Bonlat sei 1998 extra dafür gegründet worden.

Nach italienischem Recht musste 1999 der Haupt-Wirtschaftsprüfer bei Parmalat wechseln. Deloitte & Touche erhielt den Zuschlag, nachdem Grant Thornton die Bilanzen seit 1990 testiert hatte. Für die neue Tochter Bonlat konnte Grant Thornton jedoch weiterhin als Wirtschaftsprüfer verpflichtet werden.

Bis 2002 sei der Anteil von Grant Thornton an den Bilanzprüfungen von 22 auf 49 Prozent gewachsen, obwohl die Gesellschaft nur 17 von Parmalats 137 Tochterfirmen betreut habe. Dabei seien die Fälschungen zum Teil auffällig gewesen: Beispielsweise habe ein Parmalat-Bereich behauptet, Milch in so großen Mengen nach Kuba zu verkaufen, dass auf einen Kubaner 210 Liter im Jahr entfallen würden.

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