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Montag, 22. Mai 2006

Chronik: Börsen-Fusionspoker

CHRONIK-Fusionsbemühungen in der europäischen Börsenlandschaft

Die New York Stock Exchange (Nyse) ist mit einem konkreten Übernahmeangebot für die Vierländerbörse Euronext in den Fusionspoker unter den großen Börsenbetreibern eingestiegen. Die Deutsche Börse, die mit der Euronext eine "Fusion unter Partnern" anstrebt, will darauf vorerst nicht mit einem Gegenangebot reagieren.

Hier eine Chronik der Bemühungen um eine Neuordnung der europäischen Börsenlandschaft:

März 2000 - Die Börsen Paris, Amsterdam und Brüssel veröffentlichen ihren Plan zur Bildung der Euronext. Später stößt Lissabon hinzu.

Mai 2000 - Die LSE und die Deutsche Börse stellen einen gemeinsamen Fusionsplan mit dem Projektnamen "iX -International Exchanges" vor. Zur Teilnahme an dem Marktplatz waren für später auch andere Börsen geladen - darunter die Nasdaq.

August 2000 - Die schwedische Börse OM legt ein Übernahmeangebot für die LSE vor.

September 2000 - Die LSE zieht sich vom iX-Projekt zurück, um sich auf die Abwehr der Übernahme durch OM zu konzentrieren. OM scheitert. Euronext startet in Brüssel.

Oktober 2001 - Euronext gewinnt das Bietergefecht mit der LSE um die Londoner Derivatebörse Liffe.

1. Februar 2002 -Deutsche Börse einigt sich mit Cedel über Angebot zur Voll-Übernahme des Wertpapierabwicklers Clearstream.

11. Juli 2002 - Die Deutsche Börse schließt die komplette Übernahme von Clearstream für rund 1,7 Milliarden Euro ab.

August 2004 - Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004 - Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro.

20. Dezember 2004 - Die Euronext bekundet ebenfalls Interesse an einem Kauf der LSE, nennt aber keinen Preis.

15. Januar 2005 - Der an der Deutschen Börse beteiligte Hedge-Fonds TCI lehnt den LSE-Kauf als zu teuer ab. Er will den Aufsichtsrat abwählen und ein Aktienrückkaufprogramm beschließen lassen.

6. März 2005 - Die Deutsche Börse zieht auf Druck der oppositionellen Aktionäre ihre Offerte für die LSE zurück.

9. Mai 2005 - Werner Seifert tritt als Vorstandschef der Deutschen Börse zurück.

01. November 2005 - Der bisherige Präsident der SWX, Reto Francioni, übernimmt den Chefposten der Deutschen Börse.

15. Dezember 2005 - Die australische Macquarie Bank macht ein Übernahmeangebot für die LSE über 580 Pence je Aktie. Das LSE-Management lehnt ab - der Übernahmeversuch scheitert.

Dezember 2005 -Gespräche über eine Kooperation der Deutschen Börse und Euronext werden vorerst auf Eis gelegt.

21./22. Februar 2006 - Die Deutsche Börse stellt einen Plan vor, mit der Euronext eine kontinentaleuropäische Börsenorganisation mit Sitz Frankfurt geschaffen werden soll. Ziel sei eine "Fusion unter Partnern".

08. März 2006 - Die weltgrößte Börse New York Stock Exchange feiert ein fulminantes Börsendebüt. Sie will die Einnahmen auch für Zukäufe etwa in Europa nutzen.

10. März 2006 - Die US-Technologiebörse Nasdaq will die LSE übernehmen. Diese lehnt das Angebot von 950 Pence je Aktie als zu niedrig ab.

14. März 2006 - Euronext-Chef Jean-Francois Theodore signalisiert Bereitschaft zu Fusionsgesprächen mit der Deutschen Börse. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac signalisieren die Zustimmung der beiden Regierungen.

15. März 2006 - Die Deutsche Börse bietet der Euronext offiziell Fusionsgespräche an.

30. März 2006 - Die Nasdaq zieht ihr Übernahmeangebot für die LSE zurück.

11. April 2006 - Die Nasdaq kauft knapp 15 Prozent an der LSE über den Kapitalmarkt.

18. Mai 2006 - Die Euronext verhandelt nach eigenen Angaben auch mit anderen Fusionsinteressenten. Nach Medienberichten sind darunter auch die New York Stock Exchange und die italienische Börse.

19. Mai 2006 -Die Deutsche Börse nennt detaillierte Bedingungen für eine Fusion mit der Euronext. Die Euronext und die italienische Börse verkünden, in Fusionsverhandlungen einsteigen zu wollen. Die Nasdaq erhöht ihren Anteil an der LSE auf mehr als 25 Prozent.

22. Mai 2006 - Die Nyse legt ein Übernahmeangebot für die Euronext vor. Die Deutsche Börse will vorerst kein Gegenangebot machen.

von Andreas Framke in Frankfurt

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