Freitag, 27. Juni 2003
Strom wird knapp in Italien: Chaos und finstere Kneipen
Strom wird knapp in Italien: Die anhaltende Hitzewelle hat den Stromverbrauch in Italien derart in die Höhe getrieben, dass die E-Werke erstmals seit mehr als 20 Jahren Einschnitte in der Versorgung vornehmen mussten.
Betroffen waren Privathaushalte und Unternehmen im ganzen Land. Aufzüge blieben stecken, abgeschaltete Ampeln führten zu Verkehrsstaus. Verbraucherschützer beklagten, dass die Öffentlichkeit fast unvorbereitet getroffen worden sei. Die Kürzung umfasste fünf Prozent des landesweiten Verbrauchs.
Der nationale Stromverteiler GRTN kürzte Industriekunden die Stromversorgung um 1.000 Megawatt, um einen völligen Zusammenbruch der Elektrizitätsversorgung abzuwenden. Um weitere 1.300 Megawatt einzusparen, wurde auch Privatkunden in einem rotierenden System vorübergehend der Strom abgeschaltet. Allein in Rom waren 350.000 Verbraucher betroffen. Die Folge waren lange Verkehrsstaus. In den Filmstudios Cinecitta kamen die Dreharbeiten für zwei Stunden zum Erliegen.
Der Autobahnbetreiber Autostrade warnte die Fahrer in Ligurien vor stockfinsteren Tunneln. Im Urlaubsort Portofino gingen in Geschäften und Restaurants die Lichter aus, viele Wirte bangten um die eingelagerte Ware in ihren Kühlschränken.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur ANSA war in Rom auch mindestens ein Krankenhaus betroffen, obwohl Kliniken wie Kasernen von der Maßnahme ausgenommen werden sollten. Industrieminister Antonio Marzano rief die Italiener auf, Energieverschwendung zu vermeiden. Angesichts der anhaltend hohen Temperaturen über 30 Grad haben viele Italiener ihre Kühlschränke auf stärkere Leistung gebracht und Klimaanlagen angeschaltet.

