Dienstag, 04. April 2006
Märkte aufgeschreckt: China denkt über Dollars nach
Zwei Wochen vor dem US-Besuch von Chinas Präsident Hu Jintao haben kritische Äußerungen aus Peking zu den Dollar-Reserven der Volksrepublik die Märkte aufgeschreckt. "China kann aufhören, Dollar-Anleihen zu kaufen, stattdessen sollte es mehr US-Produkte erwerben und schrittweise den Bestand an US-Bonds reduzieren", zitierte die in Hongkong erscheinende Zeitung "Wen Wei Po" den chinesischen Vize-Parlamentschef Cheng Siwei.
China ist der Hauptfinanzierer des riesigen Lochs in der US-Leistungsbilanz und hält zudem die größten Devisenreserven der Welt. Ein Verkauf chinesischer Dollar-Anleihen könnte daher die US-Währung massiv unter Druck bringen sowie die Langfristzinsen und damit die Kosten der Schuldenaufnahme in den USA erhöhen. Obgleich ein Vertreter der chinesischen Zentralbank umgehend klarstellte, Cheng habe lediglich seine private Meinung geäußert, reagierten die Märkte prompt: Der Dollar und die Kurse der US-Staatsanleihen gaben nach. Im Gegenzug kletterte der in engen Grenzen schwankende Kurs der chinesischen Währung Yuan auf den höchsten Stand seit der teilweisen Flexibilisierung des Handels im Juli 2005.
Cheng ist einer von mehr als zehn Vize-Chefs des chinesischen Parlaments und Vorsitzender einer kleineren politischen Gruppierung, die eng mit der regierenden Kommunistischen Partei verbunden ist. Sein Rang entspricht dem eines Vize-Ministerpräsidenten, er hat aber keinen direkten Einfluss auf die Regierungspolitik. Cheng äußert sich jedoch häufig recht konkret zu Wirtschaftsfragen.
Die Äußerungen dürften weiteren Zündstoff für das Gipfeltreffen Hus mit US-Präsident George W. Bush am 20. April in Washington bieten. Im Fokus der Gespräche steht US-Vertretern die chinesische Währungspolitik: Viele US-Politiker und Firmen werfen der Regierung in Peking weiter vor, den Kurs des Yuan künstlich niedrig zu halten und der Volksrepublik damit einen unfairen Handelsvorteil zu verschaffen. Zudem bemüht sich die Bush-Regierung um eine Reduzierung des enormen Handelsdefizits mit China, das sich 2005 auf eine Rekordsumme von 202 Mrd. Dollar ausweitete. Zur Finanzierung des enormen Lochs in der US-Leistungsbilanz ist die weltgrößte Volkswirtschaft auf ausländisches Kapital angewiesen. Bleibt dieses aus, droht eine massive Dollar-Abwertung.
China wiederum sitzt wegen seiner rigiden Währungspolitik und seiner Attraktivität für ausländische Investoren auf einem hohen Dollar-Berg. Die Notenbank kauft kontinuierlich massiv Dollar, um einen zu starken Anstieg des Yuan zu verhindern. Dies ließ die Währungsreserven rapide auf zuletzt 854 Mrd. Dollar anschwellen, davon sind rund 30 Prozent in US-Staatsanleihen angelegt. Analysten bezweifeln daher, dass China den Bestand an US-Anlagen in Kürze verringern kann, da dies den Spielraum in der Yuan-Politik einschränken würde. Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan hat vergangenen Monat angekündigt, den Mix der Devisenreserven entsprechend den weltweiten Marktbedingungen anzupassen. Dabei würden die Kriterien Sicherheit, Liquidität und Rentabilität in genau dieser Reihenfolge angelegt.

