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Dienstag, 20. Juli 2004

Vorwürfe an die Ehefrau: Dean Reed brachte sich um

Der viele Jahre lang als mysteriös geltende Tod des amerikanischen Sängers und Schauspielers Dean Reed war offenbar doch Selbstmord. Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte einen bisher unter Verschluss gehaltenen Abschiedsbrief, den DDR-Volkspolizisten am 13. Juni 1986 in Reeds Pkw am Zeuthener See bei Berlin gefunden und sichergestellt hatten. Offiziell hieß es damals in der DDR, Reed sei bei einem Unglücksfall ums Leben gekommen.

Der 1938 in Denver im US-Staat Colorado geborene "singende Cowboy", der 1972 in die DDR übergesiedelt war und dort als Sänger und Filmschauspieler populär wurde, nennt auf 15 Seiten detailliert seine persönlichen Gründe für den Freitod. Vor allem erhebt Reed schwere Vorwürfe gegen seine Ehefrau, die ihn immer wieder als schlechten amerikanischen Showman diskriminiert habe. Sie habe ihn als Feigling beschimpft, der nicht den Mut habe, sich umzubringen. Außerdem habe sie nicht gewollt, dass er seine Ex-Frau und die gemeinsame Tochter sehe.

Der Abschiedsbrief ist an seinen "Freund und Genossen" Eberhard Fensch gerichtet, der von 1968 bis 1989 im SED-Zentralkomitee für Rundfunk und Fernsehen zuständig war. In dem Abschiedsbrief, in dem Reed auch Grüße an SED-Chef Erich Honecker ausrichten lässt, schreibt der Sänger in gebrochenem Deutsch: "Ich bin nicht mit alles einverstanden, aber Sozialismus ist noch nicht erwachsen. Es ist die einzigste Lösung für die Hauptprobleme für die Menschheit der Welt." Die DDR sei für ihn für kurze Zeit eine zweite Heimat gewesen.

"Mein Tod hat nichts mit Politik zu tun." Reed litt an Depressionen und hatte bereits Selbstmordversuche unternommen. Der Brief sei jetzt in "einem Berliner Archiv" aufgetaucht, heißt es in dem Zeitungsbericht. Das Dokument sei dem Blatt als Kopie zugespielt worden.

Der Hollywood-Schauspieler Tom Hanks plant zur Zeit einen Film über den Sänger. Hanks wird auch die Hauptrolle übernehmen und den Streifen produzieren. Dazu hatte er sich vor einiger Zeit auch mit dem früheren Staats- und Parteichef Egon Krenz getroffen.

Der 1938 im US-Staat Colorado geborene Reed drehte in den 60er Jahren Filme in Europa. Er verliebte sich in eine DDR-Bürgerin und zog 1972 nach Ost-Berlin, wo er als Sänger und Schauspieler ("Kit und Co.") Karriere machte. 1986 wurde seine Leiche im Zeuthener See bei Berlin gefunden. Die genauen Todesumstände wurden nie geklärt.

Quelle: n-tv.de