12.02.2012 00:25 Uhr Frankfurt 23:25 Uhr London 18:25 Uhr New York 08:25 Uhr Tokio
Suche
Archiv

Mittwoch, 15. Oktober 2003

Eigenbau oder Ferrari?: Der Designer-Sarg

Im feuerroten Ferrari-Sarg ließ sich der Schauspieler und einstige Rennfahrer Gunther Philipp das letzte Geleit geben. Er verschaffte damit dem Sarg eine Aufmerksamkeit, die ihm lange versagt war. Die Bonner Volkskundlerin Dagmar Hänel spricht jetzt in ihrer Doktorarbeit von einem "vorsichtigen Revival" des Sarges, der sogar zum dekorativen Werbeträger für Bestattungsunternehmen wird.

Dass man sich schon zu Lebzeiten Gedanken über seinen Sarg macht, sei zu Beginn des vorigen Jahrhunderts nicht außergewöhnlich gewesen, berichtet Hänel. Vor dem 1. Weltkrieg hätten Bestattungsunternehmen in Anzeigen und mit Bildern für die hohe Qualität ihrer Särge geworben. Eine großes Angebot exklusiver Materialien, dazu die besondere Idee des Bestatters, das hat gezogen. "Meine Särge sind nach eigenem Verfahren (gesetzlich geschützt) gedichtet", hieß es in einer Anzeige. Doch vor allem als Folge der beiden Weltkriege verschwand der Sarg aus der Öffentlichkeit.

"Der Tod kam tausendfach und hat großes Leid gebracht. Die Menschen wollten davon einfach nichts mehr hören, sagt Hänel. Diese Zeiten sind vorbei, weiß der Kölner Bestatter Christoph Kuckelkorn, der auch Philipps Ferrari-Sarg hergestellt hat. Der Sarg werde als wichtiger Teil der Trauer wieder stärker wahrgenommen. Immer häufiger kämen Angehörige mit ausgefallenen Wünschen. "Knallige Farben, eigene Bemalungen oder Unterschriften auf Särgen sind gefragt." Ein Grund dafür sei die Einsicht, wie wichtig die Trauerarbeit sei, um den Tod eines nahen Menschen zu verkraften, erläutert Kuckelkorn. Auch leisteten Institutionen wie Sterbe-Hospize Hilfe, die Tabuisierung des Todes abzubauen. Kuckelkorn selbst bietet Führungen und sogar Malwettbewerbe für Schüler an, bei denen die Klassen einen Sarg gestalten können. Mehrere Exponate hat er tatsächlich später verkauft.

Den Trend zum entspannten Umgang mit dem Sarg kennt auch Renate Nixdorf von der "Aeternitas - Verbraucherinitiative für Bestattungskultur". "Gefragt sind häufig grelle Farben, ungewöhnliche Formen, aber auch Ökologie." Hoch im Kurs stehe etwa ein Modell aus festem Papier. Wer einen besonderen Sarg will, muss auch tiefer ins Portemonnaie greifen. "Das ist eine Preisfrage: Je individueller, desto teurer", erklärt Hänel. Wer es günstiger haben möchte, muss selbst Hand anlegen. Wie eine junge Frau in Münster, die sich beim Bestatter Bauanleitung und Beschläge besorgte. Der blau gestrichene Sarg dient in der Küche als Bank, bis er irgendwann einmal ihr selbst zur eigentlichen Verwendung dienen soll.

Von Marcel Wagner, dpa

Artikel versenden

Eigenbau oder Ferrari?: Der Designer-Sarg

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.