Montag, 11. August 2003
New York: Deutsche Bank verklagt Allianz
Die Deutsche Bank hat gegen die Versicherungskonzerne Allianz und Axa eine Milliardenklage eingereicht. Inhalt der Klage sind die Schäden an dem New Yorker Hochhaus der Frankfurter Großbank, die bei den Anschlägen am 11. September 2001 entstanden waren.
Man habe beim Supreme Court des Staates New York eine Klage eingereicht, um zu klären, ob das Hochhaus der Bank am Ground Zero irreparable Schäden habe und die Allianz und Axa deshalb ihren Anteil am Schadenersatz tragen müssten, teilte die Deutsche Bank in einer Pressemitteilung mit.
Die Klage kommt nicht überraschend, denn am Sonntag war das Ultimatum der Deutschen Bank für eine außergerichtliche Einigung verstrichen. Das Geldhaus hatte den Streitwert dabei auf 1,05 Mrd. Dollar taxiert. Davon sollte die Allianz 30 Prozent beziehungsweise 315 Mio. Dollar und die Axa 20 Prozent tragen. Jetzt geht die Deutsche Bank Medienberichten zufolge nicht mehr von einem Streitwert in Höhe von gut einer Milliarde Dollar aus, sondern setzt den maximalen Versicherungswert von 1,715 Mrd. Dollar an. Damit könnte auf die Allianz eine Summe von knapp 515 Millionen Dollar zukommen.
Wie die Deutsche Bank in der Pressemitteilung noch einmal betonte, hat sie mit den zwei Versicherern Chubb und Zurich bereits eine außergerichtliche Einigung über die restlichen 50 Prozent erzielt. Die genannten Anteile der Versicherer an den Forderungen entsprechen dem Vertragsvereinbarungen.
Bei dem seit knapp zwei Jahren schwelenden Streit zwischen der Bank und den Versicherern geht es um Schäden am Hochhaus der Bank in der 130 Liberty Street in Manhattan - am Ground Zero. Die Deutsche Bank will es wegen angeblich irreparabler Verseuchung durch den Schmutz des World Trade Center beseitigen. Die Versicherer vertreten jedoch die Ansicht, dass der vierzig Stockwerke hohe Wolkenkratzer an der Liberty Street wieder repariert und genutzt werden könnte. Andere Gebäude in der Nachbarschaft mit einem ähnlich hohen Verseuchungsgrad seien bereits wieder geöffnet worden, argumentiert die Allianz. Medienberichten zufolge insistiert die Allianz, dass der Gesamtverlust der Deutsche Bank rund 500 Mio. Dollar betrage oder weniger als die Hälfte der Forderung der Bank in Höhe von 1,05 Mrd. Dollar.
Der aus den siebziger Jahren stammende Stahl- und Glasturm war am 11. September 2001 bei dem Anschlag auf das World Trade Center schwer beschädigt worden. Ein Teil des World Trade Center fiel in die Nordfassade des Gebäudes und verursachte einen 15 Stockwerke hohen Riss. Der Hauptgrund dafür, dass das Gebäude nicht wieder bezogen werden könne, ist aber nach Ansicht der Bank die Verschmutzung mit Asbeststaub und anderen Schadstoffen. Das Gebäude sei am schlimmsten von allen außerhalb des World Trade Center befindlichen Bauten betroffen gewesen. Die Position der Versicherungen kompliziere auch die Neuentwicklung am Ground Zero, hieß es weiter.

