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Montag, 04. Oktober 2004

Nobelpreis-Träger: Erkenntnisse, die die Welt veränderten

Zahlreiche für die Menschheit bedeutenden Entwicklungen wurden mit dem Nobelpreis hervorgehoben. Viele Forscher gingen jedoch leer aus, weil es für ihr Gebiet keinen Nobelpreis gibt. So wurden keine Mathematiker geehrt. Auch fehlen auf der Liste der Nobelpreisträger der Mediziner Christiaan Barnard, dem als erster eine Herztransplantation gelang, und Siegmund Freud für seine Psychoanalyse.

Zahlreiche Nobelpreisträger schufen theoretische Grundlagen für Entwicklungen in der Physik, Chemie und Medizin. Hier die Auswahl einiger Forscher, deren Arbeit zumeist direkte Anwendung im Alltag fand:

Wilhelm Conrad Röntgen (Physik 1901): Der Universalphysiker entdeckte die nach im benannte Röntgenstrahlung, die er selbst als X-Strahlung bezeichnete.

Emil Adolph von Behring (Medizin 1901): Der Schüler Robert Kochs entwickelte Impfstoffe gegen Diphtherie und Tetanus und gilt als Pionier der Schutzimpfung.

Antoine Henri Becquerel und das Ehepaar Curie (Physik 1903): Die Physiker entdeckten spontane Radioaktivität. Marie Curie erhielt 1911 noch einen Nobelpreis für Chemie.

Robert Koch (Medizin 1905): Der Arzt zeigte erstmals, dass Bakterien spezifische Auslöser von Krankheiten sind und entdeckte die Erreger von Milzbrand, Tuberkulose und Cholera.

Paul Ehrlich und Ilja Iljitsch Metschnikow (Medizin 1908): Beide Mediziner beschäftigten sich mit der Abwehr von Krankheiten. Zusammen mit Sahatschiro Hata entwickelte Ehrlich später (1909) ein Mittel gegen Syphilis, das erste chemische Medikament gegen Infektionskrankheiten.

Karl Ferdinand Braun und Guglielmo Marconi (Physik 1909): Sie schufen die Grundlagen für die drahtlose Telegrafie wodurch der weltweite Funkverkehr möglich wurde. Braun hat zudem erste Grundlagen für die Fernsehröhre (Braunsche Röhre) gelegt.

Max Planck (Physik 1918): Planck fand heraus, dass Energie nur bestimmte Werte annehmen kann. Das führte zur Entwicklung der Quantentheorie und der Entdeckung einer neuen Naturkonstanten (Plancksches Wirkungsquantum). Er schuf damit einen Grundstein für die moderne Physik und Technik. Darauf basieren etliche Geräte wie Computer, Leuchtstoffröhren und Mikrowellenherde.

Fritz Haber (Chemie 1918): Seine 1908 vollendete Hochdruck-Synthese von Ammoniak führt zur Großproduktion von Stickstoffdünger (Haber-Bosch-Verfahren) und damit zur ersten "grünen Revolution".

Albert Einstein (Physik 1921): Berühmt geworden durch seine Relativitätstheorie und der daraus abgeleiteten Formel E=mc2 (Energie gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat) erhielt er seinen Nobelpreis aber für seine Arbeiten zur Quantentheorie.

Adolf Friedrich Johann Butenandt und Leopold Ruzicka (Chemie 1939): Sie entdeckten wesentliche Sexualhormone und synthetisierten sie. Jahrzehnte später führte das Wissen zur Entwicklung der Anti-Baby-Pille.

Otto Hahn (Chemie, 1944): Hahn entdeckte zusammen mit Lise Meitner zahlreiche radioaktive Elemente. Zusammen mit Straßmann spaltete er 1938 erstmals gezielt einen Atomkern, was nach den Vorarbeiten von Enrico Fermi (Nobelpreis 1938) die militärische und friedliche Nutzung der Kernkraft ermöglichte.

Alexander Fleming, Ernst Boris Chain und Howard Walter Florey (Medizin 1945): Die drei Forscher wurden für die Entdeckung und Synthese von Penizillin ausgezeichnet. Sie schufen mit ihren Arbeiten die Grundlagen der heutigen Antibiotika-Behandlung.

Linus Pauling (Chemie 1954): Pauling wurde für seine Arbeit über die Natur der chemischen Bindung ausgezeichnet. Für sein Engagement gegen Atomwaffen erhielt er den Friedensnobelpreis 1962.

John Bardeen, Walter Houser Brattain und William Bradford Shockley (Physik 1956): Sie entwickelten auf der Grundlage der Quantenmechanik der Festkörper den Transistor. John Bardeen erhielt 1972 einen weiteren Nobelpreis für Physik.

Frederick Sanger (Chemie 1958): Er klärte zwischen 1945 und 1953 die Proteinsequenz von Insulin auf und entwickelte hierfür die notwendige Methode. 1980 bekam er zusammen mit anderen Forschern einen weiteren Chemie-Nobelpreis für die Sequenzierung des Erbmaterials DNA.

Francis Crick, James Watson und Maurice Wilkins (Medizin 1962): Sie entschlüsselten die Struktur des Erbmaterials DNA und legte so den Grundstein für die moderne Genetik.

Karl Waldemar Ziegler und Giulio Natta (Chemie 1963): Die chemische Synthese mit Hilfe ihrer Katalysatoren war eine entscheidende Grundlage zur heutigen Kunststoffproduktion.

Karl von Frisch, Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen (Medizin 1973): Die Zoologen befassten sich mit der Verhaltensbiologie der Tiere. Karl von Frisch wurde vor allem durch die Entschlüsselung des "Bienentanzes " bekannt. Konrad Lorenz erarbeitete insbesondere mit seinen berühmten Graugänsen das instinktive Verhalten.

Michael Smith und Kary Banks Mullis (Chemie 1993): Sie entwickelten die bahnbrechende Methode zur gezielten Vervielfältigung des Erbmaterials DNA außerhalb von Lebewesen. Diese Polymerase- Kettenreaktion (PCR) genannte Methode ist eine Grundlage für den genetischen Fingerabdruck und weiteren Gentests.

Paul J. Crutzen, Mario Jos Molina, Frank Sherwood Rowland (Chemie 1995): Mit der Entdeckung, dass FCKW die Ozonschicht zerstören, legten sie die Grundlagen zum Verbot der FCKW-Produktion und damit zum Schutz des "Sonnenschirms" der Erde.

Stanley B. Prusiner (Medizin 1997): Er bekam den Nobelpreis für seine Arbeiten zu den von ihm benannten Prionen. Es handelt sich dabei um Proteine, die infektiös wirken und dadurch eine Reihe von Gehirnerkrankungen wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bei Menschen oder BSE bei Rindern auslösen.

Quelle: n-tv.de