Archiv

Sturm über Nordeuropa: "Erwin" fordert 14 Tote

Ein Sturm mit Orkanböen und heftigen Regenfällen über Nordosteuropa hat am Samstag mindestens 14 Menschenleben gefordert. Nordwestengland wurde von den schwersten Überschwemmungen seit 40 Jahren getroffen. Tausende Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.

Die Stadt Carlisle war durch das Hochwasser zeitweilig von der Außenwelt abgeschnitten. In Schweden, Dänemark, Großbritannien und Irland waren mehr als eine halbe Million Haushalte zeitweise ohne Strom. Der Straßen-, Schiffs- und Bahnverkehr wurde erheblich behindert. Zahlreiche Fährlinien von Nord- und Ostsee stellten ihren Dienst ein. In Schleswig-Holstein kam der gesamte Zugverkehr zum Erliegen. Auf dem Brahmsee ertranken möglicherweise zwei Paddler, als Orkantief „Erwin“ mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 181 Stundenkilometern über den Norden und die deutschen Mittelgebirge zog.

Mindestens drei Menschen kamen in Großbritannien während der Unwetter ums Leben. Tausende mussten ihre Wohnungen wegen der Fluten verlassen, 80.000 Haushalte blieben in Carlisle über Nacht ohne Strom. Am Sonntag entspannte sich dort die Lage leicht. Britische Versicherer sagten, die Gesamtschäden beliefen sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Militärhubschrauber hatten am Samstag mindestens 15 Einwohner von den Dächern ihrer Häuser gerettet, andere brachten sich mit Booten in Sicherheit. Autos schwammen durch die Straßen.

Vor der Küste Westschottlands lief im Sturm eine Fähre auf Grund. Die 43 Passagiere und 57 Besatzungsmitglieder verbrachten die Nacht an Bord, verletzt wurde niemand. Nach 30 Stunden konnte die Fähre am Sonntag frei geschleppt werden. Auf einer nordenglischen Autobahn warfen Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von 140 Kilometern in der Stunde 25 Lastwagen um.

In Schweden und Dänemark starben in dem schweren Wintersturm mindestens elf Menschen. Wie der Rundfunk in Stockholm berichtete, wurden sieben Schweden von umstürzenden Bäumen oder schweren Gegenständen erschlagen. In Dänemark starben nach Polizeiangaben vier Menschen. Nach dem Abklingen des Sturms mit Orkanstärke waren am Sonntag gut eine halbe Million Haushalte in beiden Ländern ohne Strom.

In Schweden wurden am Samstag fünf der insgesamt elf Atomreaktoren abgeschaltet. Dort wird die Hälfte des Strombedarfs durch Atomkraft erzeugt. Die dänische Küstenwache konnte in der Nacht zum Sonntag alle 15 Besatzungsmitglieder eines niederländischen Frachtschiffs retten, das in dem schweren Sturm in Brand geraten war.

In Russlands nördlicher Metropole St. Petersburg setzte das Sturmtief Straßenzüge unter Wasser. Helfer retteten zwei junge Frauen, die mit ihrem Wagen in die Fluten geraten waren und brachten sie verletzt in ein Krankenhaus, teilte der Zivilschutz mit.

Auch in Norddeutschland hat Orkan „Erwin“ schwere Schäden angerichtet. Mehrere Menschen wurden unter anderem von umstürzenden Bäumen schwer verletzt. Auf dem Brahmsee in Schleswig-Holstein kenterten zwei 19 Jahre alte Schüler mit ihrem Kajak. Bis zum Sonntagnachmittag suchten Taucher vergeblich nach ihnen. Dann brachen sie die Suche ab. Straßen und Bahnlinien mussten wegen umgestürzter Bäume zeitweise gesperrt werden. In zahlreichen Ortschaften fiel teilweise der Strom aus.

Auf den nordfriesischen Halligen herrschte seit Samstagabend Landunter, der Fährverkehr, auch zu den Inseln Föhr und Amrum, wurde eingestellt. Die Schiffsverbindung von Dänemark nach Sylt stellte ihren Betrieb ein. Die Ostseefähren blieben bis Sonntagmorgen in den schützenden Häfen.

Auf Sylt habe es abermals große Sandverluste an den Stränden gegeben, sagte ein Polizist in Westerland. Das genaue Ausmaß der Schäden sei aber noch nicht abzusehen. In Hamburg setzte die Sturmflut tief liegende Teile der Stadt unter Wasser.

Quelle: n-tv.de