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Dienstag, 10. März 2009

Manager will Millionen: Ex-HRE-Chef sorgt für Empörung

Der ehemalige Chef der schwer angeschlagenen Hypo Real Estate, Georg Funke, hat mit seinen Forderungen nach 3,5 Millionen Euro Gehalt einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Politiker, Gewerkschafter und Aktionärsschützer werfen dem Ex-Manager Schamlosigkeit, Gier und Instinktlosigkeit vor, weil er Geld einklagt, obwohl die HRE unter seiner Leitung an den Rand des Abgrunds geriet und seitdem mit mehr als 100 Milliarden Euro am Leben erhalten werden muss.

"Herr Funke leidet unter einem starken Realitätsverlust", sagte der Wirtschaftsprofessor Joachim Schwalbach von der Humboldt-Universität in Berlin, der sich seit vielen Jahren mit Managergehältern beschäftigt. Schuld trägt aus seiner Sicht aber auch der Aufsichtsrat, der Verträge wie im Fall Funke absegnet. "In den Aufsichtsräten gibt es enorme Defizite."

Im Visier der Staatsanwaltschaft

Funke beruft sich mit seiner Klage auf seinen Arbeitsvertrag. Der Manager war nach der Beinahe-Pleite der HRE im Dezember entlassen worden, obwohl sein Vertrag noch bis zum September 2013 läuft. Sein darin vereinbartes Festgehalt beträgt laut Geschäftsbericht 800.000 Euro im Jahr, macht bis 2013 rund 3,5 Millionen Euro. Und das Geld will Funke haben - weil es ihm aus seiner Sicht zusteht. "Herr Funke macht das, was die meisten anderen Arbeitnehmer nach einer Kündigung durch ihren Arbeitgeber auch machen: Er fordert seine vertraglichen Ansprüche ein", heißt es in Branchenkreisen. "Wenn er darauf verzichten würde, könnte das noch als Schuldeingeständnis gewertet werden."

Die Staatsanwaltschaft München hat Funke und andere frühere Vorstandsmitglieder nach mehreren Anzeigen durch Aktionäre seit Monaten im Visier. Die Kläger werfen den Verantwortlichen vor, die wirtschaftliche Lage des Konzerns monatelang falsch dargestellt zu haben, weil sie sie immer wieder beteuert hatten, keine Belastungen aus der US-Finanzkrise zu erwarten. Erst am 15. Januar 2008 räumten sie erstmals Abschreibungen ein. Ende September geriet der Konzern dann in so bedrohliche Finanznot, dass er nur noch mit Hilfe des Staates gerettet werden konnte. Danach setzte sich die Talfahrt der Aktie nahezu ungebremst fort, das Papier verlor seit dem Höchststand vor drei Jahren fast 99 Prozent seines Werts.

Schaden für den Wirtschaftsstandort Deutschland

Funke wurde durch den beispiellosen Fall der HRE für viele über Nacht zum deutschen Gesicht der Bankenkrise, ein Foto von ihm mit gefalteten Händen prangte auf allen Zeitungen. Dabei kannte vorher kaum jemand seinen Namen. Im DAX galt die HRE jahrelang als graue Maus, der bodenständige Gelsenkirchener Funke hielt sich in der Öffentlichkeit zurück und ließ lieber die Zahlen sprechen. Mit seinem Gehalt von zuletzt rund 1,8 Millionen Euro für 2007 gehörte er in der Riege der Top-Manager eher zu den Geringverdienern.

Trotzdem dürfte sein Vermögen ausreichen, um auch ohne die 3,5 Millionen Euro Gehaltsforderung ein neues Leben zu beginnen. Selbst wenn arbeitsrechtlich ein Anspruch auf das Geld bestehen sollte, müsste Funke nach Ansicht von Managementforscher Schwalbach aus moralischen Gründen auf das Geld verzichten. "Wenn man sieht, was er angerichtet hat, würde man das erwarten." Funkes Anwalt Wolfgang Kreuzer warnte aber vor einer Vorverurteilung. Es sei nicht in Ordnung, Funke zum Sündenbock zu machen, sagte er der "Süddeutschen Zeitung" in der vergangenen Woche.

Viel zu verlieren hat Funke nach Ansicht von Schwalbach durch die öffentliche Kritik an seiner Klage aber ohnehin nicht mehr. "Seine Reputation ist im Keller." Schaden nehmen könnten durch die Klage aber unzählige andere Wirtschaftsbosse, die sauber arbeiten und in Sippenhaft genommen werden. Schwalbach befürchtet nach dem jahrelangen Wirbel um Millionen-Abfindungen für Mannesmann-Manager nun durch den Fall Funke einen weiteren Ansehensverlust der Manager und damit auch Schaden für den Wirtschaftsstandort Deutschland. "Das ist hochgefährlich."

Daniela Wiegmann, dpa

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