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Samstag, 27. Dezember 2003

Finanzdebakel bei Parmalat: Ex-Präsident verhaftet

Der Gründer und Ex-Präsident des insolventen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, ist in Mailand verhaftet worden. Dies berichtet die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Tanzi hatte sich zuletzt in Spanien aufgehalten. Er steht im Verdacht des Betrugs und der Bilanzfälschung. In der Bilanz von Parmalat war in der Vorwoche ein Finanzloch von mehreren Mrd. Euro entdeckt worden. Ein Gericht in der italienischen Stadt Parma hatte Parmalat erst am Samstagnachmittag offiziell für insolvent erklärt.

Die Entscheidung erfolgte wie erwartet, nachdem Insolvenzverwalter Enrico Bondi einen Bericht über die finanzielle Situation von Parmalat vorgelegt hatte. Mittlerweile geht die italienische Justiz davon aus, dass auf Grund von Betrug und Bilanzfälschung mindestens sieben Mrd. Euro verschwunden sind.

Bondi soll schnellstens Vorschläge zur Rettung des Konzerns und der Arbeitsplätze vorlegen. Die italienische Regierung hat eigens für Parmalat ein Dekret erlassen, das dem Unternehmen vorerst Schutz vor den Forderungen von Gläubigern gewährt. Zudem sollen landwirtschaftliche Zulieferbetriebe vor Auswirkungen der Parmalat-Krise geschützt werden. Unbestätigten Medienberichten zufolge sollen andere Konzerne bereits an der Übernahme einzelner Parmalat-Teile Interesse geäußert haben.

Tanzi, der vor knapp zwei Wochen nach ersten Hinweisen auf eine finanzielle Schieflage seines Konzerns zurückgetreten war, soll jetzt zum Finanzdebakel befragt zu werden. Experten sprechen von einem der größten Finanzskandale in der europäischen Unternehmensgeschichte. Insgesamt beschäftigte Parmalat zuletzt rund 36.000 Menschen in 30 Ländern.

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