Dienstag, 08. März 2005
Bodyguard, Freischärler, Politiker: Ex-Regierungschef Haradinaj
"Es gibt keine UN-Anklage gegen mich", alle Beschuldigungen wegen Kriegsverbrechen seien in Belgrad "fabriziert", so sprach Ramish Haradinaj (36) bis vor wenigen Tagen. Den ehemaligen Bodyguard, Freischärlerführer, Politiker und seit vergangenem Dezember Regierungschef habe jetzt seine eigene Vergangenheit eingeholt, kommentiert man in Belgrad und Pristina seinen Rücktritt.
Nicht nur die serbische Justiz wirft ihm Kriegsverbrechen an Zivilisten im Kosovo 1998 und 1999 vor, nun hat sich auch das UN- Kriegsverbrechertribunal in Den Haag mit einer Anklage gemeldet. Der ehemalige Feldkommandant der albanischen Kosovo-Befreiungsarmee UCK war wegen seiner Brutalität sowohl gegen Serben als auch gegen die eigenen Landsleute im Kosovo berüchtigt.
Seine politische Karriere nach 1999, als das Kosovo unter UN- Verwaltung gestellt wurde, blieb kontrovers. Im Herbst 2000 wurde er bei einer Abrechnung rivalisierender Gangs schwer verletzt. Angeblich hatte Haradinaj auch Kontakte zu regionalen Drogenbanden. Er war Gründer und Führer der Allianz für die Zukunft Kosovos (AAK).
Das offizielle Belgrad empfand seiner Ernennung zum Regierungschef als pure Provokation. Er diente als Ausrede für das Ausbleiben jeglicher Kontakte zur Regierung in Pristina. Nun, da er auf dem Weg zum UN-Tribunal in Den Haag ist, wird es Belgrad schwer fallen, eine neue Ausrede zu finden.
Haradinaj wurde 1968 im Kosovo-Dorf Glodjane, im westlichen Grenzgebiet zu Albanien, geboren. Der Diplom-Jurist ist verheiratet und hat drei Kinder aus zwei Ehen.



