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Montag, 28. Juli 2008

"Wir haben's geschafft": Jubel für A380

Nach außen hin war der Jubel groß: Mit tosendem Beifall begleiteten rund 2.000 Airbus-Mitarbeiter die erste Auslieferung einer A380 in Hamburg. Sie feierten die Übergabe des Riesen-Jumbo an die arabische Fluggesellschaft Emirates als Beginn eines neuen Kapitels in der deutschen Luftfahrtgeschichte. Versüßt wurde ihnen der Tag durch einen neuen Emirates-Auftrag in Höhe von 13 Mrd. US-Dollar. Nach dem Feiertag dürfte Airbus aber schnell von seinen Alltagssorgen eingeholt werden: Denn die Fertigung des neuen Königs der Lüfte läuft immer noch viel zu langsam.

Solche Sorgen des Flugzeugbauers wurden am Montag ausgeblendet: Enders ließ sich auf dem Balkon vor dem Rollfeld zu Jubelposen hinreißen und von den Mitarbeiter feiern. Immer wieder schwappten "La Ola"-Wellen über das Rollfeld.

Goldene Fernseher

Wenig später lüftete Emirates auch das gut gehütete Geheimnis um die Innenausstattung, die in Hamburg gefertigt wurde. Sie umfasst goldumrandete Fernsehschirme, eine großzügige Bar und Duschen in holzgetäfelten Badezimmern für die First-Class-Passagiere.

Emirates-Chef Saeed Al Maktoum hatte sogar noch ein Gastgeschenk dabei: Er verkündete, dass die Airline 30 Maschinen vom Typ A350 und 30 Flugzeuge vom Typ A330-300 kaufen werde. Der Auftragswert beläuft sich auf 13 Mrd. US-Dollar. Saeed Al Maktoum lobte sein neues Flaggschiff: Der A380 sei "grüner, schneller, leiser und intelligenter als jedes andere Flugzeug".

Die ersten fünf Exemplare des doppelstöckigen Fliegers waren am französischen Airbus-Standort in Toulouse an Singapore Airlines übergeben worden. In Hamburg werden alle Kunden aus Europa und dem Nahen Osten ihre A380-Maschine abholen - bisher sind das 119 von 198 bestellten Exemplaren.

Stimmung könnte besser sein

Nach langer Entwicklungszeit, Lieferverzögerungen durch Kabelprobleme und dem verschärften Spar- und Personalabbaukurs mit dem Programm "Power 8" war für die 12.000 Mitarbeiter am Montag Feiern angesagt. Doch die Stimmung beim Flugzeugbaukonzern könnte besser sein, wie der "Vater" der A380, Jürgen Thomas, jüngst anmerkte. Die Kabelprobleme sind ein Hindernis auf dem Weg zur kostendeckenden Serienproduktion. So werden die 500 Kilometer Kabel in jeder Maschine noch von Hand verlegt. Um eine stabile und schnelle Produktion zu erreichen, ist nach Aussage von Airbus-Chef Thomas Enders noch viel zu tun. So schätzt auch Daniel Friedrich von der IG Metall Küste die Lage ein und mahnt: "Wir haben keinen Millimeter Luft für Personalabbau." Der Konzern müsse mit den Mitarbeitern die Serienfertigung in den Griff bekommen und nicht über Sparprogramme debattieren.

Mehrfach musste der Zeitplan für die Auslieferung in der Vergangenheit verschoben werden - sehr zum Ärger von Kunden wie Emirates. Ursprünglich wollte Airbus bis 2009 etwa 100 A380 ausliefern, nun werden es nach neusten Planungen wohl nur knapp 35, davon 12 im laufenden Jahr. Ein Problem ist auch das gespannte deutsch-französische Verhältnis im Konzern, das einer schnelleren A380-Produktion im Wege steht.

Im November 2006, als der Dollarkurs noch wesentlich günstiger für den Flugzeugbauer stand, rechnete Airbus mit 420 Exemplaren des doppelstöckigen Fliegers, um schwarze Zahlen schreiben zu können. Derzeit hat Airbus aber nur 198 Bestellungen und vier Kaufabsichtserklärungen von 17 Kunden.

Dunkle Wolken am Horizont

Airbus-Chef Thomas Enders sieht für die Branche durch den hohen Ölpreis und die Krise der Fluggesellschaften in den USA dunkle Wolken am Horizont. Während im Westen die Airlines schwächeln, führt der Luftfahrtboom im Nahen Osten zu Kapazitätsengpässen, die mit der A380 behoben werden sollen. Sie kann mehr und zu günstigeren Preisen Passagiere befördern. Bei keiner anderen Gesellschaft werde die Expansion durch Engpässe bei den Plätzen so gebremst wie bei Emirates, sagt ein Sprecher der Fluggesellschaft. Für Airbus ist Emirates mit seinen Bestellungen damit eine Art Lebensversicherung.

In Deutschland hingegen wird die A380 weiterhin zunächst nur bei Testflügen über der Nordsee oder bei Auslieferungsflügen ab Hamburg zu sehen sein. Die Lufthansa wird wegen der Lieferverzögerungen bei Airbus erst im Jahr 2010 die erste ihrer bisher 15 bestellten A380- Maschinen in Dienst stellen können.

von Georg Ismar und Almut Kipp, dpa

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