Donnerstag, 05. Juni 2008
Festival der Liebe: Jürgen Marcus wird 60
Der Hüftschwung lässig, die Arme schwingen durch die Luft, dazu ein strahlendes Lachen in dem von blonden Haaren umrahmten Gesicht - so tanzte Jürgen Marcus 1972 durch die "Hitparade" und begeisterte mit seinem Song "Ein neue Liebe ist wie ein neues Leben".
Der deutsche Schlager hat seitdem Höhen und vor allem Tiefen erlebt, Jürgen Marcus aber ist weiter da, auch wenn er nicht ständig in den Medien präsent ist. Am 6. Juni wird der "Sonnyboy" 60. Ans Aufhören denkt der in München lebende Musiker noch lange nicht. Eine Woche nach seinem Geburtstag kommt sein neues Album mit dem symbolhaften Titel "Für immer" heraus. Auch privat ist Jürgen Marcus mit sich im Reinen. Seit zwölf Jahren ist der bekennende Homosexuelle mit seinem Lebensgefährten Nikolaus Fischer zusammen.
Verheizen lassen wollte Jürgen Marcus sich nie, das war sein Prinzip. "Das ist schon faszinierend, wenn man so von heute auf morgen berühmt wird und dich jeder kennt", erinnert er sich im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa an seine Zeit als Schlagerstar. "Ein Festival der Liebe", "Auf dem Bahnhof der vielen Gleise", "Ein Lied zieht hinaus in die Welt" sind nur einige seiner Hits. Bis 1982 hatte er 36 Auftritte in der Hitparade, er war der Interpret mit den meisten Nummer-Eins-Hits. "Ich habe acht oder zehn goldene Löwen und Ottos und so was alles bekommen", sagt der auch mit drei Goldenen Schallplatten im In- und Ausland ausgezeichnete Marcus. "So langsam beginnt man dann den ganzen Betrieb der Industrie zu begreifen."
Den Abstieg wie andere Schlager-Kollegen habe er nie erlebt. Vielmehr habe er sich auch mal eine mehrjährige Pause verordnet, als in den 80er Jahren die "Neue Deutsche Welle" Erfolge feierte: "Damit konnte ich nichts anfangen." Marcus experimentierte mit verschiedenen Produzenten und arbeitete unter anderem mit Andrew Lloyd Webber zusammen. Eine amerikanische Firma wollte ihn für den internationalen Markt aufbauen. Der Song "Liberation Day" floppte 1988 allerdings schon in Deutschland. "Das war dann eben doch falsch gedacht", sagt Marcus. In den 90er Jahren wechselte er als Produzent mit eigenem Studio die Seiten.
Schon mit 19 Jahren machte der gelernte Maschinenschlosser aus Herne mit seiner ausdrucksvollen Stimme erstmals auf sich aufmerksam, als er 1967 Sieger des Europeen-Festivals in Brüssel wurde. Ein Stipendium vom Verein der Berliner Opernfreunde schlug er als junger Mann aber aus. Er wollte lieber weiter in seiner Rockband spielen, "weil der Schritt zur Oper mir einfach sehr fremd war". Erfolge feierte Marcus Ende der 60er Jahre in der Hauptrolle des Claude im Musical "Hair". Zwei Jahre habe er außer an Weihnachten jeden Tag in München "Hair" gespielt - Schule für den Start ins Schlagergeschäft.
Dass der Schlager heute eher ein Nischendasein fristet, ist für Marcus nicht schwer zu erklären. "Es gibt die großen Unterhaltungssendungen wie Starparade, Schaubude oder Disco nicht mehr", sagt er. "Heute macht man eher die Casting-Shows. Da verbrät man die jungen Leute, obwohl das bestimmt große Talente sind, was ich sehr schade finde." Den Schlager werde es aber weiterhin geben, auch wenn diese Musikrichtung ihre Hoch-Zeit hinter sich habe.
So gibt Marcus weiterhin Konzerte, tritt bei Galas auf und geht Ende des Jahres erneut auf Tournee. "Ich habe eigentlich ziemlich viel zu tun", sagt er. "Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen, ich gehe jetzt nicht mehr auf die Bühne. Ich sage höchstens, ich mach' Pause und komme dann wieder zurück." Dafür liebe er seinen Beruf viel zu sehr. "Ich mache es, so lange die Stimme mitmacht."
Höhen und Tiefen des Lebens meistert Marcus auch durch seinen tiefen christlichen Glauben. Er sieht sich als überzeugten Christen und engagiert sich für soziale Projekte, unter anderem für behinderte Kinder. Gegen seinen Glauben spräche übrigens auch eine Ehe mit seinem Lebenspartner. "Da ich gesagt habe, ich bin ein gläubiger Mensch, kommt das überhaupt nicht infrage."



