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Samstag, 09. Februar 2008

Jugendgefährdende Schrift?: Kinderbuch über Weltreligionen

Ein Kinderbuch erregt zurzeit die Gemüter in Deutschland. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart erstattete bereits Strafanzeige wegen Volksverhetzung. Auch das Bundesfamilienministerium will das Buch de facto verbieten lassen. Das Ministerium beantragte die Indizierung des Kinderbuchs "Wo bitte geht's zu Gott?, fragte das kleine Ferkel" vom Aschaffenburger Verlag Alibri als jugendgefährdende Schrift. Nach Angaben der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) wird die mündliche Verhandlung Anfang März stattfinden.

Die Diözese hält das Buch für antisemitisch, wie Sprecher Thomas Broch sagte. "Es geht insbesondere um die Darstellung eines Rabbiners. Wenn Sie da den Stürmer danebenlegen, erkennen sie durchaus Parallelen." "Der Stürmer" war ein antisemitisches Hetzblatt der Nationalsozialisten. "So etwas ist nicht hinnehmbar." Er rechne nicht mit einem schnellen Ergebnis der Ermittlungen, sagte Broch.

Alibri-Verlagsleiter Gunnar Schedel hatte die Vorwürfe als Verleumdung zurückgewiesen. Auch das Bundesfamilienministerium hatte judenfeindliche Tendenzen ausgemacht. "In dem Buch werden die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht", heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die BPjM vom 21. Dezember 2007. Das Judentum werde "als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt".

Antireligion – nicht Antisemitisch

Dem Vorwurf des Antisemitismus tritt unter anderem Stephan J. Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland entgegen, obwohl er dem Buch durchaus ablehnend gegenübersteht. In einer Aussendung heißt es: "Der Meinung, das Buch sei antisemitisch, kann man so nicht folgen, da es gleichermaßen alle drei großen monotheistischen Religionen verleumdet. Es ist einfach Antireligion, Anti-Gottes-Glaube und alles, was sich daraus ergibt".

Keine Indoktrination

Der Jugendpsychiater Prof. Dr. Peter Riedesser sagte bereits im Oktober 2007 anlässlich der Präsentation des Buches, dass es bei dem kleinen Ferkel weder darum geht, zu missionieren noch zu indoktrinieren: "Es klärt auf, auf unkonventionelle Weise vielleicht, aber Aufklärung ist nicht gleich Indoktrination. Im Gegenteil. Das Buch kann dazu beitragen, dass die Kinder lernen, nicht jede Aussage - stamme sie von einem Religions-Lehrer oder aus einem Buch - für wahr zu halten. Problematisch wäre es, wenn in dem Buch behauptet würde, Atheisten seien die besseren Menschen. Aber das ist nicht der Fall. Die Grundaussage des Buchs ist doch: Wir Menschen sind alle gleich, Gläubige wie Ungläubige - auch wenn ein paar 'Leute in lustigen Gewändern' das nicht wahrhaben wollen!"

Mit Moral

Das 20-seitige Buch erzählt von einem Ferkel und einem Igel, die ein Plakat entdecken, auf dem geschrieben steht: "Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!" Deshalb macht sich das Duo auf den Weg, Gott zu suchen. Die Frage, ob einem religionslosen Kind etwas fehlt, werde dabei "aus der Perspektive des weltlichen Humanismus beantwortet", hieß es vom Verlag, der für religions-, kirchen- und kulturkritische Schriften bekannt ist.

"Und die Moral von der Geschicht: Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht", heißt es am Ende des Buches, das sich mittlerweile einer großen Fan-Gemeinde erfreut.

Quelle: n-tv.de