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Samstag, 27. September 2008

27. September 2008: Krisenticker

27.09.2008

+++ China kämpft mit Wachstum gegen die Krise +++

Chinas größter Beitrag im Kampf gegen die weltweite Finanzkrise ist nach Einschätzung der Regierung ein anhaltend kräftiges Wirtschaftswachstum. "Was wir nun tun können, ist es, Chinas starkes, stabiles und relativ schnelles Wachstum aufrechtzuerhalten und größere Schwankungen zu vermeiden", sagte Ministerpräsident Wen Jiabao auf einer Konferenz des Weltwirtschaftsforums in der nordchinesischen Hafenstadt Tianjin am Samstag. Er sei zuversichtlich, dass dies trotz aller Schwierigkeiten langfristig gelinge, denn China verfolge eine flexible und umsichtige Politik im Umgang mit der Krise.

+++ Sparkassenpräsident wettert gegen Investmentbanker +++

Sparkassenpräsident Heinrich Haasis sieht in den Investmentbankern mit die Hauptschuldigen für die Turbulenzen an den Finanzmärkten. "Sie tragen neben den Ratingagenturen die Hauptverantwortung für die jetzige Krise, weil sie nicht mehr verantwortlich gehandelt und viele bankfachliche Standards außer Kraft gesetzt haben", sagte Haasis dem "Tagesspiegel am Sonntag". Die Banken müssten sich so verhalten, dass man ihnen auch vertrauen kann, forderte Haasis. "Aber die Gier hat dieses Prinzip des ordentlichen Kaufmanns an den Kapitalmärkten überrollt."

+++ Landesbanken droht hoher Verlust +++

Den drei Landesbanken BayernLB, LBBW und HSH Nordbank droht nach Informationen des Magazins "Focus" aus der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ein Verlust von 1,4 Mrd. Euro. Dies sei in Krisengesprächen bekanntgeworden, die Bundesbankpräsident Axel Weber in der vergangenen Woche mit mehreren Ministerpräsidenten geführt hatte, berichtete das Magazin.

+++ Weizsäcker kritisiert US-Banken +++

Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat das US-Bankensystem als "verantwortungslos" kritisiert. "Endlich zeigt sich, dass das US-Bankensystem sich auf verantwortungslose allzu regellose Weise ausschließlich am vierteljährlichen Profit orientiert und kaum an der Leistung für die Gesellschaft", sagte der 88-Jährige der "Bild am Sonntag". Die Bundesregierung müsse darauf hinwirken, "die globalen Finanzwege transparenter zu machen und besser zu kontrollieren. Wenn es Europa gelingt, Russland, China, Indien und die arabischen Staaten in ein solches Regelwerk einzubinden, dann wäre viel gewonnen." Keinesfalls solle sich Deutschland an der Rettung des US-Banken beteiligen, sagte von Weizsäcker. "Die USA haben das System wuchern lassen. Jetzt müssen sie auch damit fertig werden."

+++ Bahn-Zeitplan stößt auf Kritik +++

Der Plan der Deutschen Bahn, trotz der weltweiten Finanzkrise im Herbst an die Börse zu gehen, stößt auf erhebliche Kritik. Wenn Bahn-Chef Hartmut Mehdorn das Unternehmen ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Finanzkrise an die Börse bringen wolle, verschleudere er "vorsätzlich Staatseigentum", sagte Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn der "Passauer Neuen Presse". Auch innerhalb der großen Koalition gibt es Vorbehalte gegen das Vorhaben. Das Bankenkonsortium für den Börsengang erwartet laut "Welt am Sonntag" für den Bund einen Erlös von rund 4,5 Mrd. Euro.

+++ Notfallplan für Banken +++

Die Bundesregierung hat laut "Focus" für den Fall von Bankenpleiten in Deutschland einen Notfallplan. Der Bund beabsichtige, im Krisenfall Banken und vor allem die Einlagensicherungen mit Krediten zu stützen, berichtete das Münchner Magazin unter Berufung auf Finanzkreise. Die Darlehen müssten von den Banken allerdings langfristig zurückgezahlt werden. Dadurch solle der Steuerzahler möglichst geschont werden.

+++ Krise bremst Maschinenbauer +++

Die deutschen Maschinenbauer sehen ihren Aufschwung von der Finanzkrise und dem drohenden Tarifkonflikt gebremst. Für den Branchenverband VDMA ist offen, ob das Wachstum im kommenden Jahr fortgesetzt wird. "Ob auch 2009 ein Plus unter dem Strich steht, hängt nun von den Tarifverhandlungen und der weiteren Entwicklung an den Finanzmärkten ab", sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse.

+++ Bankenkrise trifft Finanzplatz Frankfurt +++

Hessens Ministerpräsident Roland Koch sieht trotz der Bankenkrise in den USA keinen "grundsätzlichen Nachbesserungsbedarf" im deutschen Bankwesen. Hierzulande gebe es "kluge Regelungen für die Kreditvergabe", sagte Koch. "Wir haben ein sehr vernünftiges Absicherungssystem der Banken untereinander." Es sei gut, dass sich die deutschen Banken noch kurz vor der Krise durch Fusionen gestärkt hätten. Handlungsbedarf gebe es bei dem "schwierigen Geschäftsmodell" der Landesbanken, die Zugang auch zu Privatkunden bräuchten. Allerdings rechnet Koch wegen der US-Finanzkrise mit einer Wachstumsdelle für die deutsche Wirtschaft. Durch Steuerausfälle am Bankenplatz Frankfurt werde Hessen besonders in Mitleidenschaft gezogen.

+++ Rettungspaket verzerrt Wettbewerb +++

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hält es für möglich, dass das von der US-Regierung geplante Milliardenpaket zur Rettung bedrohter Geldinstitute zu Wettbewerbsverzerrungen für europäische Banken führen könnte. "Das ist ein Thema, aber da kann ich Ihnen noch keine Lösung aus der Hüfte schießen", sagte Steinbrück dem Hamburger Magazin "Der Spiegel". Zunächst müsse abgewartet werden, "was die Amerikaner genau vorhaben".

+++ Hypothekenbank vor Verstaatlichung +++

Die angeschlagene britische Hypothekenbank Bradford & Bingley (B&B) steht nach Medienberichten vor einer Verstaatlichung. Um einen Zusammenbruch des Baufinanzierers zu verhindern, könnte es schon bald zu einer Fusion mit der bereits verstaatlichten Hypothekenbank Northern Rock kommen, wie die britischen Zeitungen "Daily Telegraph" und "Daily Mail" unter Berufung auf Finanzkreise berichteten. Premierminister Gordon Brown bezeichnete die Berichte am Rande eines USA-Besuchs als Spekulationen, die er nicht kommentieren wollte. Zuvor hatten verschiedene Medien berichtet, dass die britische Finanzaufsicht (FSA) einen Käufer für Bradford & Bingley suche. Im ersten Halbjahr hatte B&B einen Verlust von 26,7 Mio. Pfund (33,8 Mio. Euro) gemacht.

+++ Mehr Firmenkredite durch Finanzkrise +++

Die Hamburger Sparkasse (Haspa) hat im Zuge der Finanzkrise deutlich mehr Kredite an mittelständische Unternehmen vergeben als im Vorjahr. Das Neugeschäft werde sich in diesem Jahr voraussichtlich auf rund 4,5 Milliarden Euro belaufen, das sind rund 700 Mio. Euro oder fast 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor, sagte Jürgen Marquardt, der bei der größten deutschen Sparkasse das Firmenkundengeschäft verantwortet.

+++ Konjunkturprogramm gescheitert +++

Im US-Kongress ist ein milliardenschweres Konjunkturprogramm gescheitert. Die Republikaner lehnten einen entsprechenden Gesetzesentwurf der Demokraten am Freitag als Verschwendung von Steuergeldern ab. Das Papier sah unter anderem die Schaffung von Arbeitsplätzen durch Infrastruktur-Projekte vor. Es hätte zudem die Hilfen für Arbeitslose verlängert und die finanziellen Mittel für Lebensmittelgutscheine aufgestockt.

+++ Glos sieht Deutschland vor "Belastungsprobe" +++

Angesichts der anhaltenden Finanzkrise in den USA sieht Bundeswirtschaftsminister Michael Glos auch Deutschland vor einer "Belastungsprobe". "Wir werden unsere Prognose für das nächste Jahr wohl deutlich nach unten korrigieren müssen", sagte Glos. Bislang rechnet die Regierung mit 1,2 Prozent Wachstum. Für Milliarden-Hilfspakete wie in den USA sieht der Minister in Deutschland "derzeit überhaupt keine Notwendigkeit", sondern bewertet sie insgesamt sehr skeptisch. Glos sagte: "Am Ende trägt immer der Steuerzahler die Last, und zuvor konnten sich die Aktionäre an den Gewinnen erfreuen. Das setzt die falschen Akzente."

+++ Verluste in Lateinamerika +++

Die wichtigsten Börsen Lateinamerikas sind mit Verlusten ins Wochenende gegangen. Am größten Aktienmarkt des Subkontinents im brasilianischen São Paulo fiel der Bovespa-Index am Freitag um 2,02 Prozent oder 1045,47 Zähler auf 50 782,99 Punkte. Die Anleger seien zur Zeit sehr nervös und warteten auf den endgültigen Durchbruch beim US-Rettungsplan gegen die Bankenkrise, erklärten Händler in Brasilien.

+++ Rettungspaket: Verhandlungen ziehen sich ins Wochenende +++

Die Verhandlungen im US-Kongress über ein Rettungspaket für die kriselnde Finanzbranche ziehen sich ins Wochenende hinein. Die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi sprach am Freitag zwar von Fortschritten. Noch gebe es aber kein Ergebnis, dem alle Seiten zustimmen könnten. In die zuletzt ins Stocken geratenen Verhandlungen sei aber wieder Fahrt gekommen, fügte Pelosi hinzu. Die Unterhändler würden auch das Wochenende über weiter nach einem Kompromiss suchen.

+++ Wachovia spricht mit Citigroup +++

Die US-Regionalbank Wachovia hat einem Zeitungsbericht zufolge erste Gespräche mit der Citigroup über eine mögliche Fusion begonnen. Die Verhandlungen seien noch in einer frühen Phase, berichtete die "New York Times" am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Es sei noch unklar, ob es überhaupt zu einer Einigung käme.


26.09.2008

+++ Republikaner machen Gegenvorschlag +++

Die Republikaner im US-Repräsentantenhaus haben ihre Gegenvorschläge zum Banken-Rettungsplan von Finanzminister Henry Paulson präsentiert. Demnach wollen die republikanischen Abgeordneten die Last bei der Bewältigung der Krise nicht den Steuerzahlern auferlegen, sondern der Wall Street.

+++ Fortis-Chef tritt zurück +++

Der Chef der belgisch-niederländischen Fortis-Finanzgruppe, Herman Verwilst, tritt nach einem Kurssturz der Bank von seinem Amt zurück. Neuer Vorstandsvorsitzender von Fortis solle Filip Dierckx werden, meldete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Gerüchte über Liquiditätsprobleme hatten zum Absturz der Aktie geführt. Verwilst hatte diese Gerüchte dementiert.

+++ Rechnungshof prüft KfW-Panne +++

Der Bundesrechungshof nimmt nach Angaben aus dem Bundestag die Pannen-Überweisung der Staatsbank KfW an die insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers unter die Lupe. Im Haushaltsausschuss hieß es, die Kontrolleure hätten bereits mit der Prüfung des Vorgangs begonnen. Die KfW hatte am 15. September ein Termingeschäft mit Lehman abgewickelt, obwohl der Zusammenbruch der Bank bereits feststand. Der Schaden beläuft sich auf 350 Millionen Euro. Den Angaben aus dem Bundestag zufolge wird der Rechnungshof außerdem die Schritte zur Rettung der Mittelstandsbank IKB untersuchen. Dies hätten die Rechnungsprüfer dem Haushaltsausschuss zugesichert.

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27. September 2008: Krisenticker

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