Donnerstag, 16. Oktober 2008
Einst belächelt, heute gefragt: Krüger-Rand glänzt
Das Schreckgespenst einer weltweiten Rezession beflügelt einen ebenso dekorativen wie krisenfesten Klassiker unter den Wertanlagen: den südafrikanischen Krüger-Rand. "Im vergangenen Monat hat sich unser Umsatz verdreifacht", frohlockte der Geschäftsführer der Südafrikanischen Goldmünzen-Börse, Alan Demby. Die Institution hat sich spezialisiert auf den An- und Verkauf des noch vor wenigen Jahren als veraltet belächelten Krüger-Rands, der als die erfolgreichste Goldmünze der Neuzeit gilt. Demby: "Vergangene Woche hatten wir mit 9400 Rand (725 Euro) einen neuen Preisrekord in der mehr als vierzigjährigen Geschichte der Münze."
Als legales Zahlungsmittel ist ihr Kauf steuerfrei - der Preis ist an den des gelben Edelmetalls gekoppelt. Vor einem Jahr lag der Preis noch bei 5200 Rand. Und die Tendenz ist steigend. Seit seiner Markt- Einführung 1967 ging das zweiundzwanzigkarätige Geldstück in rund 57 Millionen Exemplaren über den Ladentisch - nach Branchenangaben mehr als alle anderen Goldmünzen zusammen genommen. Demby schätzt den Absatz für dieses Jahr auf 60.000 Münzen - das Dreifache von 2007.
Tägliche Anfragen aus aller Welt
Täglich erhält sein Unternehmen Anfragen, vor allem aus London. Südafrikas nationale Prägemünze, die sich auf den Verkauf von Sammler-Münzen spezialisiert hat, bestätigt den Trend. Aber schon vor den weltweiten Negativ-Schlagzeilen sei das Interesse groß gewesen. Zwar gibt es skeptische Stimmen von Analysten wie dem Südafrikaner Alwyn Van der Merwe, der das wachsende Interesse als noch eher schwach ausgeprägt beurteilt. Der Zeitung "Business Day" erklärte er: "Angesichts des Ausmaßes dieses Chaos hätte der Goldpreis viel aggressiver reagieren müssen, ich hätte ihn bei über 1000 Dollar pro Feinunze vermutet. Entweder waren die Käufer nicht so aggressiv oder es gab einen (großen) Verkäufer am Markt". Doch die Händler von Goldmünzen reiben sich zufrieden die Hände.
Münze geht auf historisches Vorbild zurück
Denn der Name Südafrika, der seit mehr als 100 Jahren den weltgrößten Goldförderer repräsentiert und nun immer aufwändiger nach dem gelben Metall schürft, ist untrennbar mit dem Krüger-Rand verbunden. Die nach dem einstigen Präsidenten Paul Krüger benannte Münze geht zurück auf ein historisches Vorbild, das einst von der Kaiserlichen Prägeanstalt in Berlin entworfen wurde. Ursprünglich wurde sie nur in einer Größe mit einem Gewicht von 33,9 Gramm herausgegeben. 31,1 Gramm (1 Unze) davon sind Feingold, der Rest ist Kupferlegierung, um die Oberfläche unempfindlich gegen Kratzer zu machen.
Deshalb hat der Krüger-Rand - anders etwa als konkurrierende Goldmünzen wie "Brittania" (Großbritannien), "Maple Leaf" (Kanada), "Panda" (China) oder "Philharmonic" (Österreich) - nur 22 statt 24 Karat. Der Name Rand bezeichnet das legale Zahlungsmittel Südafrikas und hat geografische Wurzeln. Es ist die Kurzform für den Grabenbruch bei Johannesburg - den Witwatersrand -, dessen reiche Goldvorkommen vor gut 120 Jahren einen wahren Run auslösten.
Ralf E. Krüger, dpa



