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Dienstag, 07. August 2007

Manfred Schell: Lokführer mit Ämtern

Manfred Schell lässt die Muskeln spielen. Sein großes Ziel ist ein Extra-Tarifvertrag für die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Dabei hat der Lokführer und passionierte Pfeifenraucher nicht nur die Bahn gegen sich, sondern widersetzt sich zudem den beiden größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA.

Schell ist mit der Bahn groß geworden. Schon sein Vater war Lokführer. Er selbst machte zunächst eine Lehre als Maschinenschlosser in einem Unternehmen und wechselte Ende der 50er Jahre zur Bahn, damals noch die Deutsche Bundesbahn. Vom Reservelokomotivführer stieg er auf zum Hauptlokomotivführer. Seit 1987 ist er Lokomotiv-Betriebsinspektor.

Ämter und Ehren

Der gebürtige Aachener trat 1970 in die GDL ein und übernahm bald den Vorsitz der Ortsgruppe Aachen. Ab 1974 leitete er die Hauptgeschäftsstelle Frankfurt. 1989 wurde der Lokführer "mit Leib und Seele" zum Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft gewählt. Seit 1991 sitzt er der wiedervereinigten GDL vor.

Schell ist darüber hinaus seit 1989 Präsident der Autonomen Lokomotivführer-Gewerkschaften Europas. 16 europäische Länder organisieren sich hier gewerkschaftlich. Seit 1991 ist er Sprecher des DBB Beamtenbund und Tarifunion. Für sein Engagement in der Gewerkschafts- und Bildungsarbeit erhielt Schell im November 2000 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

Politisch aktiv

Auch in der Politik war das CDU-Mitglied Schell aktiv. 1993 rückte er nach der Mandatsniederlegung eines Parteikollegen über die Landesliste Sachsen-Anhalt in den Bundestag nach. Bis zum Ende der Legislaturperiode 1994 saß er im Parlament. Auch hier positionierte er sich zum Schienenverkehr und stimmte als einziger Abgeordneter der CDU-Fraktion gegen die Bahnreform.

Auch im Tarifstreit bleibt die Politik nicht außen vor. "Es ist ein alter Grundsatz, dass die Politik sich aus dem Tarifgeschäft heraushalten soll," so Schell bei n-tv. Doch er gibt zu bedenken, dass die Bahn dem Bund gehöre: "Ich habe einmal irgendwo gelesen, dass Eigentum auch verpflichtet. Also von daher kann auch der Eigentümer einmal auf den Bahnvorstand einwirken, dass wir an den Verhandlungstisch kommen."

Eine Frage der Eitelkeit?

Für den 64-jährigen Schell ist es wohl der letzte große Kampf, bevor er im Mai 2008 als Vorsitzender der GDL abtritt. Er stelle deshalb besonders auf stur, glaubt der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann: "Es drängt sich der Eindruck auf, Herr Schell will sich ein Denkmal setzen, weil er nur noch ein Jahr im Amt ist - und was danach kommt, ist ihm egal". Aber vielleicht ist es auch sein Kontrahent Hartmut Mehdorn, der Schell zum Durchhalten provoziert. "Rumpelstilzchen" nannte der Anführer der Lokführer den Bahnchef.

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