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Sonntag, 06. Oktober 2002

Gerüchte überschlagen sich: MLP-Affäre weitet sich aus

Der Finanzdienstleister MLP wehrt sich derzeit gegen Vorwürfe von allen Seiten. Die neueste Schlagzeile in Sachen MLP kommt vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Wie das Magazin schreibt, prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht derzeit nicht nur, ob es im Zusammenhang mit der am 02. August publizierten Gewinnwarnung zu Insidergeschäften gekommen ist, sondern auch, inwiefern Anhaltspunkte für den Verdacht auf Kurs- und Marktpreismanipulationen vorliegen.

Es gehe um die Frage, ob durch unrichtige Angaben von MLP die Bewertung der Aktie beeinflusst wurde, hieß es. Zudem ermittle das BAFin wegen Insidergeschäften mit MLP-Papieren vor der am 30. September angekündigten Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien.

Ein MLP-Sprecher betonte erneut, dass sie überzeugt seien, dass die Bilanzen korrekt sind. Zudem habe das Unternehmen ein eigenes Interesse an der Aufklärung auffälliger Kursbewegungen.

Die Lebensversicherung der Tochter

Gleichzeitig dementierte MLP einen Bericht des Magazins "Focus" wonach MLP-Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger mit einer Lebensversicherung für seine Tochter in Höhe von einer Milliarde Euro die Konzernbilanz manipuliert haben könnte. Eine solche Versicherung sei nie abgeschlossen worden, hieß es.

Er habe nie, weder für ihn selbst noch für ein Familienmitglied eine Lebensversicherung in dieser Höhe abgeschlossen, erklärte Lautenschläger und kündigte rechtliche Mittel gegen die Personen an, die gezielt diese falschen Ehauptungen verbreiten würden. Auch ein Pressesprecher des Gerling-Konzerns, bei dem die Lebensversicherung angeblich abgeschlossen wurde, erklärte, dass es eine derartige Versicherung bei der Gerling Leben nicht gebe.

Dem Bericht zufolge hatte Lautenschläger seine 26-jährige Tochter Christina über MLP mit einer Mrd. Euro versichert. Im Januar 2002 soll der Aufsichtsratschef dann den offenbar nie ernst gemeinten Versicherungsantrag zurückgezogen und MLP die Provision in Höhe von 60 Mio. Euro an Gerling zurückerstattet haben.

Bei MLP äußerte man bereits einen Verdacht, wer diese Geschichte an die Presse kolportiert haben könnte. Verdächtigt wird der im September fristlos entlassenene Vertriebsvorstand Dorian Simon. Bereits am Donnerstag hatte der Börsendienst "Prior Börse" fast gleichlautende Vorwürfe verbreitet. Simon war entlossen worden, weil MLP ihm vorwirft, vertrauliche Geschäftsunterlagen an Investmentbanker und Medien weiter gegeben zu haben.

Bereits seit Mai hat MLP mit Vorwürfen über Bilanzfälschungen zu kämpfen. Den Anfang machten Berichte des Anlegermagazins "Börse Online". Erst in der vergangenen Woche hatten Staatsanwaltschaft, Polizei und Beamte der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zum zweiten Mal Geschäftsräume von MLP untersucht. Die Affäre setzt die MLP-Aktie an der Börse gewaltig unter Druck. Angesichts der drastisch gesunkenen Marktkapitalisierung ist der Titel mittlerweile vom Rauswurf aus dem Dax bedroht.

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