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Montag, 01. September 2008

Stolz einer Bankerfamilie: Martin Blessing

Martin Blessing macht seiner Familie alle Ehre. Seit Generationen bringt der Clan einflussreiche Banker hervor. Auch der junge Commerzbank-Chef hat eine Bilderbuch-Karriere hingelegt. Im Mai erst rückte der 45-Jährige an die Spitze von Deutschlands zweitgrößter Bank, gut 100 Tage später sorgt Blessing mit der Übernahme der Dresdner Bank für einen Paukenschlag. Dem neuen Hoffnungsträger der Commerzbank ist gelungen, woran verdiente Vorgänger wie Martin Kohlhaussen scheiterten. Kohlhaussen hatte einen ersten Fusionsversuch mit der Dresdner vor acht Jahren abblasen müssen.

Und Blessing, der gerne professoral doziert, aber auch unprätentiös wie der nette Junge von nebenan wirken kann, hat sich viel vorgenommen. Die Arbeit fängt für ihn erst an, wie er bei der Präsentation des Fusionsprojekts in Frankfurt gewohnt eloquent erläuterte. Mit der Übernahme der Dresdner Bank von der Allianz, die für den Münchner Versicherungsriesen vor allem ein milliardenteures Kapitel von Pleiten, Pech und Pannen war, untermauere die Commerzbank ihren Anspruch, "die führende Bank in Deutschland zu werden". Eine ambitionierte Kampfansage an den Nachbarn Deutsche Bank, der gemessen an der Bilanzsumme von rund zwei Billionen Euro knapp doppelt so groß ist wie die Kombination aus Commerzbank und Dresdner. Marktführer wollte auch sie stets werden - nun verschwindet die 1872 gegründete Bank mit dem grünen Sympathieband ganz von der Bildfläche.

Ehrgeiz in den Genen

Ausgesprochener Ehrgeiz wurde dem 1963 in Bremen geborenen Martin Blessing bereits in die Wiege gelegt. Sein Vater brachte es in den Vorstand der Deutschen Bank, Opa Karl war von 1958 bis Ende 1969 als Präsident der Bundesbank sogar oberster Hüter der D-Mark. Enkel Martin lernte das Bankgeschäft von der Pike auf und ging ausgerechnet bei der Dresdner 1983 in die Lehre. Nach einem Studium der Betriebswirtschaft in Frankfurt und St. Gallen erwarb sich der Vater von drei Kindern in Chicago noch einen MBA-Grad. Bei der Unternehmensberatung McKinsey startete Blessing dann richtig durch und wurde mit nur 31 Jahren Partner.

1997 zog es Blessing zurück zur Dresdner Bank. Für ein Jahr leitete er die Direktbank-Tochter Advance Bank in München, ehe ihn sein Vorgänger, der jetzige Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, 2001 in den Commerzbank-Vorstand holte. Blessing verantwortete zunächst die Privatkundensparte. Dass er es bis an die Spitze schaffte, verdankt er nicht zuletzt seiner Arbeit als Chef des Mittelstandsgeschäfts, das er zur rentabelsten Sparte der Bank gemacht hat.

Diese Qualitäten wird Blessing mehr denn je zeigen müssen. Dass er bei allem freundlichen Habitus seine Vorstellungen knallhart durchsetzt, erleben gerade die geschassten Vorstände der Dresdner Bank. Erst wenn die Fusion ein Erfolg wird, dürfte ihm der ganze Stolz nicht nur seiner Familie gewiss sein, sondern auch der Beschäftigten - die bereits um ihre Jobs zittern.

Olaf Zapke, Reuters (unter Mitarbeit von Patricia Uhlig)

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