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Dienstag, 26. September 2006

Ausverkauf in BaWü

Millionen für alte Handschriften

Politiker und Kulturverbände haben mit Nachdruck gegen den geplanten Verkauf wertvoller Handschriften durch das Land Baden-Württemberg zu Gunsten des badischen Adelshauses protestiert. "Wenn Kulturgüter verhökert werden, um öffentliche Haushalte zu sanieren, ist das der Kulturnation Deutschland nicht würdig", sagte der Kulturexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Joachim Otto, am Dienstag in Berlin. Auch seine Parlamentskollegin Karin Binder (Die Linke) äußerte "vollkommenes Unverständnis".

Durch Verkäufe aus der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe sollen millionenschwere Altlasten aus der Sanierung des Schlosses Salem am Bodensee sowie dessen künftige Erhaltung finanziert werden. Der geplante Erlös wird mit 70 Millionen Euro beziffert. Zugleich will das Land ein für alle Mal Rechtssicherheit über die Eigentumsverhältnisse an den ehemals badischen Kulturgütern herstellen. Nach Auskunft des baden-württembergischen Finanzministeriums ist unter Experten seit Jahrzehnten umstritten, ob die Handschriften Eigentum des Landes oder des Hauses Baden sind.

Der Deutsche Kulturrat forderte grundsätzlich, den "Raubbau" in Museen und Bibliotheken zu stoppen. Geschäftsführer Olaf Zimmermann verwies auf vergleichbare Erwägungen der Stadt Krefeld, wo zur Museumssanierung ein wertvolles Gemälde verkauft werden soll, sowie den Vorschlag des Landesrechnungshofs Baden-Württemberg zum "maßvollen Abbau" der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart. Diese Beispiele belegten: "Das Verkaufen von öffentlichem Kulturgut wird rasend schnell salonfähig". Dieser vermeintliche Königsweg zur Bewältigung außergewöhnlicher Belastungen im Kulturhaushalt sei in Wirklichkeit "eine Art Räumungsverkauf von öffentlichem Kulturbesitz".

Auch der Verband deutscher Schriftsteller in ver.di zeigte sich entsetzt über die Pläne. "Eine Versteigerung der Handschriften würde eine Geringschätzung unserer kulturellen, literarischen und auch sprachlichen Wurzeln bedeuten", heißt es in einer Mitteilung.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) zeigte sich von der massiven Kritik am geplanten Verkauf nicht überrascht. Er habe mit einem kritischen Echo auf das Vorhaben gerechnet, sagte er am Dienstag im pfälzischen Herxheim. "Die Kritik kommt aber im Kulturteil der Zeitungen, nicht auf den Wirtschaftsseiten", erklärte er zu Zweifeln am finanziellen Erfolg der geplanten Versteigerung der Handschriftensammlung.

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