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Mittwoch, 17. Oktober 2007

Machtprobe der Lokführer: Neue Streikwelle rollt an

Die Machtprobe der kleinen GDL gegen den Riesen Deutsche Bahn geht in die nächste Runde. Mit bundesweiten Streiks im Nahverkehr will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in den kommenden Tagen zeigen, wer in dem erbitterten Tarifkonflikt am längeren Hebel sitzt. Pendler im Nahverkehr müssen wieder mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Das fünfte Angebot der Bahn, das einen Weg aus der Sackgasse weisen sollte, wies GDL- Vize Claus Weselsky am Mittwoch in Bausch und Bogen zurück. "Nicht die Zahl der Angebote ist entscheidend, sondern der substanzielle Inhalt."

Falls die Bahn gehofft hatte, dass eine dreiwöchige Auszeit des als Sturkopf geltenden GDL-Chefs Manfred Schell während seiner Kur für Entspannung in dem beispiellosen Tarifstreit sorgt, wurde sie umgehend eines Besseren belehrt. Der 48 Jahre Weselsky mag zwar im Ton freundlicher sein, in der Sache aber ist er genauso hart. Von einem eigenständig ausgehandelten Tarifvertrag für das Fahrpersonal mit deutlichen Verbesserungen der Arbeits- und Einkommensbedingungen sei man so weit entfernt wie zuvor - und ohne diesen werde es keine Lösung geben.

Immerhin hatte sich die Gewerkschaft die Mühe gemacht, das 250 Seiten dicke jüngste Bahn-Angebot gründlich durchzuackern, bevor sie Verhandlungen mit der Bahn ausschlug. Nach der Lektüre war die Enttäuschung bei den Lokführern nur umso größer. "Das Ergebnis unserer Prüfung ist leider vernichtend", sagte Weselsky. "Das sind nichts als Banalitäten. Der Vorschlag beinhaltet nur ein Minimum dessen, was von unserer Seite eingefordert wurde." Vielmehr solle die GDL wieder nur den Tarifabschluss mit den anderen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA akzeptieren.

Die Bahn schaltet nun auf stur. Die GDL habe trotz einer guten Offerte des Unternehmens Tarifverhandlungen ausgeschlagen und befinde sich auf "tarifpolitischer Geisterfahrt" zum Schaden von Kunden, Mitarbeitern und des ganzen Unternehmens, sagte Bahn-Personalvorstand Magret Suckale sichtlich verärgert. "Unser Verständnis ist restlos am Ende." Wer so handle wie die GDL, suche keine Lösung, sondern nur den Streik. Suckale appellierte trotzdem noch einmal an die GDL, über "das gute Angebot" zu verhandeln. "Denn das kann uns niemand abnehmen, das kann uns auch die Politik nicht abnehmen. Ich weiß nicht, worauf die GDL hier noch wartet."

"Die Bahn will der Bevölkerung mit scheinheiligen Angeboten weismachen, die GDL sei der Buhmann und der ewige Neinsager", erzürnte sich Weselsky. Der Bahnvorstand habe offenbar kein Interesse an einer Lösung des Konflikts und der Verhinderung von Streiks. "Die GDL sagt jedoch weiterhin Nein zu einer tarifpolitischen Kastration." Die GDL sei keine "Hausgewerkschaft". Vielleicht solle sie jetzt für ihre Ablehnung der Kapitalprivatisierung der Bahn in der vom Vorstand gewünschten Form bestraft und ihre "tarifpolitische Emanzipation" verhindert werden.

Möglicherweise will die Bahn bewusst auf Zeit spielen, bis die GDL wegen der fortgesetzten Streiks an Unterstützung in der Bevölkerung verliert. Das fürchtet der 48-jährige Weselsky nicht. "Wir dürfen konstatieren, dass weite Teile der Bevölkerung und die Bahnkunden großes Verständnis für uns haben." Täglich träfen in der GDL-Zentrale Mails und Briefe mit Solidaritätsadressen ein.

Von der Basis ist zu hören, die Kollegen seien "stinkesauer" über die Hinhaltetaktik der Bahn. Deshalb würden sie notfalls auch wochenlang streiken.

Von Angela Schiller und Marion Trimborn, dpa

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