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Samstag, 24. Februar 2007

Welt ruft nach Olivenöl: Nordafrika boomt

Der weltweit wachsende Appetit auf Olivenöl beschert Teilen Nordafrikas einen neuen Boom. Wo bereits seit der Antike Oliven eines der Haupterzeugnisse sind, setzen die Bauern nun auf die mangelnden Kapazitäten italienischer, spanischer und griechischer Konkurrenten, die der steigenden Nachfrage nicht nachkommen können. Marokko und Tunesien haben zwar nicht die reichen Energie-Vorkommen wie ihre Opec-Nachbarn Algerien und Libyen, aber dafür ein heißes Klima, das Oliven gut gedeihen lässt.

Nach Investitionen in moderne Maschinen können für tunesisches Olivenöl oft schon fast die gleichen Preise erzielt werden wie für das Öl von spanischen Herstellern, die den Markt dominieren. In Tunesien mit seinen zehn Millionen Einwohnern leben mehr als 500.000 Familien von der Herstellung des Öls, dem wegen seiner einfach-ungesättigten Fettsäure und seiner Polyphenole eine gesundheitsfördernde Wirkung zugesprochen wird.

Für viele Familien stellt die Oliven-Ernte zwischen November und Februar den Höhepunkt des Jahres dar. Viele Tunesier kehren in ihre Heimatdörfer zurück, um ihre Angehörigen bei der Ernte zu unterstützen. Dort sind dann Frauen zu beobachten, wie sie beim Auflesen der Oliven traditionelle Lieder singen, während ihre Männer die Früchte von den Bäumen schütteln.

"Meine ganze Familie ist guter Dinge, wenn wir eine Rekordernte wie in diesem Jahr haben", freut sich der Bauer Haj Smida aus El-Jem. Wegen einer eher bescheidenen Ernte im vergangenen Jahr hatte sein Kollege Salem Rhaim die Hochzeit seines Sohnes verschieben müssen. Dieses Jahr ist aber auch er optimistisch: "Jetzt bin ich bereit für die teuren Hochzeitsvorbereitungen."

Ein Wermutstropfen trübt jedoch das tunesische Olivenöl: Große Mengen müssen im Inland unter Preis verkauft werden, weil oft noch die Technologie fehlt, um ein Öl nach Export-Standards zu pressen. Häufig hat dies aber auch andere Ursachen: So sind unzureichende Verpackungen oft ungeeignet für die Ausfuhr. "Wir müssen uns viel mehr anstrengen, damit unser Öl mit dem aus Spanien, Griechenland und Italien konkurrieren kann", erklärt Abdelmajid Mahjoub, dem eine Olivenpresse in Tbourba gehört.

Da insbesondere die Mittelklasse in Ländern wie Russland und Brasilien mittlerweile auf den Geschmack gekommen ist, könnten die Kassen bald kräftig klingeln. In Marokko bietet die Regierung finanzielle Anreize, um die Anbaufläche von Oliven bis 2010 auf eine Million Hektar von gerade mal 1000 Hektar im Jahr 1999 auszuweiten. Der 42-jährige Mohamed hat von dem Angebot Gebrauch gemacht und dutzende neue Olivenbäume angepflanzt. "Ich hätte gern noch mehr Land für weitere Olivenbäume", sagt er.

Der Oliven-Anbau stellt in Marokko eine Alternative zu den lukrativen, aber illegalen Cannabis-Anpflanzungen dar. Zudem wirken die Bäume der Ausbreitung der Wüste in dem von langen Dürren gebeutelten Land entgegen. Marokko und Tunesien haben noch ein gewaltiges Potenzial -da sind sich die Experten einig.

Im vergangenen Jahr, als die Oliven-Ernte in Spanien schlecht ausfiel, kamen bereits spanische Händler nach Nordafrika, um Oliven einzukaufen. Auch Italien deckt sich dort bereits mit Öl ein, das unter dem Etikett "Importiert von Italien" weiterverkauft wird. "Mit der Liberalisierung des Handels werden die Beziehungen zu den nordafrikanischen Erzeugern wohl immer enger", prognostiziert Mauro Miloni vom Zusammenschluss italienischer Olivenöl-Hersteller Unaprol.

von Tarek Amara und Zakia Abdennebi

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