Freitag, 09. Dezember 2005
Erster Spatenstich in Babajewo: Ostsee-Gaspipeline
Drei Monate nach der Grundsatzvereinbarung über den Bau einer Gaspipeline durch die Ostsee haben die russischen und deutschen Partner den ersten Spatenstich für die Landanbindung dieser Leitung getan.
Ab 2010 wollen der russische Gasriese Gazprom und die deutschen Konzerne E.ON und BASF sibirisches Gas nach Westeuropa pumpen. "Deutschland erhält durch die neue Pipeline eine direkte und zuverlässige Anbindung an die riesigen russischen Erdgasvorkommen", sagte E.ON-Chef Wulf Bernotat bei der Eröffnung der Landanbindung für die Ostsee-Pipeline am Freitag in Babajewo, östlich von St. Petersburg. Die russischen Gasreserven machten mit rund 48.000 Mrd. Kubikmetern gut ein Viertel der weltweiten Gasreserven aus.
Um das russische Gas wird angesichts des steigenden Energiebedarfs weltweit gebuhlt. Aufstrebende Schwellenländer wie Indien oder China konkurrieren darum inzwischen mit Westeuropa.
"Meilenstein in der Zusammenarbeit mit Russland"
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos bezeichnete die Pipeline als einen Meilenstein in der Zusammenarbeit beider Länder im Energiesektor. "Ich betrachte es als eine wichtige gemeinsame Aufgabe, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Unternehmen unserer beiden Länder diese Energiepartnerschaft ausbauen können", sagte der Minister.
Glos war auf seiner ersten Auslandsreise als Wirtschaftsminister am Vortag bereits mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammengetroffen. Die neue Pipeline sei über die deutsch-russische Bedeutung hinaus auch wichtig für die Energieversorgung Europas, sagte Glos.
Vor allem Polen und die baltischen Staaten kritisieren das Ostsee-Projekt heftig. Die neue, dritte Pipeline von Russland nach Europa sollte ursprünglich über ihre Territorien laufen. Das hätte diesen Staaten erhebliche Transitgebühren eingebracht.
Für BASF-Chef Jürgen Hambrecht ist die neue Pipeline aus Gründen der Versorgungssicherheit in Europa dringend nötig. "Europas Erdgasbedarf wächst, seine Eigenproduktion sinkt. Für die nächsten zehn Jahre ist allein für den nördlichen Teil Europas mit einer Verdoppelung der notwendigen Importe auf 290 Mrd. Kubikmeter pro Jahr zu rechnen", sagte Hambrecht.
Deutschland ist größter Exportmarkt für Gazprom
Die neue Pipeline durch die Ostsee soll vom russischen Hafen Wyborg unweit von St. Petersburg über gut 1.200 Kilometer bis nach Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern verlaufen. An dem Betreiberkonsortium hält Gazprom die Mehrheit von 51 Prozent. BASF und E.ON teilen sich den Rest je zur Hälfte. Das Projekt ist für weitere Partner offen. Zunächst ist ein Leitungsstrang mit einer Transportkapazität von 27,5 Mrd. Kubikmetern Erdgas pro Jahr geplant. Später soll eine zweite Trasse folgen. Insgesamt werden die Investitionen auf rund vier Mrd. Euro veranschlagt.
Deutschland ist der größte Exportmarkt für den weltgrößten Gaskonzern Gazprom. Die Deutschen decken über ein Drittel ihres Gasbedarfs aus Russland. Das Gas, das durch die Ostsee-Pipeline fließen soll, kommt größtenteils aus dem westsibirischen Juschno Russkoje, dessen Reserven auf 700 Mrd. Kubikmeter Erdgas geschätzt werden. BASF hat mit Gazprom bereits eine Beteiligung an der Ausbeutung dieses Gasfelds vereinbart, E.ON verhandelt noch darüber.

