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... profitiert der Großteil der Landbevölkerung kaum vom Wirtschaftsboom.

... profitiert der Großteil der Landbevölkerung kaum vom Wirtschaftsboom.

Mittwoch, 27. Februar 2008

Rabatte für Bauern: Peking sorgt für Konsum

Als die chinesische Regierung dem Bauern Yuan Shanchun beim Kauf eines Kühlschranks unter die Arme griff, verbreitete sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer. Fast jeder in seinem Bekanntenkreis wollte nun auch in den Genuss des Sonderrabatts von 13 Prozent kommen, erzählt der 51-Jährige im breiten Dialekt der chinesischen Ostprovinz Shandong. Unglaublich sei dies. "Wie kommt die Regierung dazu, uns Geld für den Kauf von Gütern zu geben?", sprudelt es aus dem lebhaften Landwirt nur so hervor, der als Erster in den Genuss des Nachlasses auf Haushaltsgeräte kam. "Dies ist, als würde es kostenloses Essen vom Himmel regnen."

Die überschwängliche Reaktion Yuans trotz der auf den ersten Blick geringen Preisnachlässe zeugt von der großen Angst der chinesischen Landbevölkerung, vom Aufschwung und Boom in den Wirtschaftszentren abgekoppelt zu werden. Die Bauern rechnen mit jedem Cent - ist das Pro-Kopf-Einkommen in chinesischen Städten doch dreimal so hoch wie auf dem Land.

Die chinesische Führung setzt mit der bis Ende Mai dauernden Rabattaktion darauf, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen will die Regierung in Peking das soziale Gefälle zwischen Stadt und Land einebnen und die Landbewohner besänftigen, die ihrem Unmut gegen die Korruption örtlicher Funktionäre bereits in Demonstrationen Luft machten und auch Rechte auf Grund und Boden einforderten. Zum anderen sieht die kommunistische Führung den großen Außenhandelsüberschuss des Landes mit zunehmendem Argwohn. Sorgen macht den Machthabern besonders die drohende Rezession in den USA, die die Nachfrage nach Waren aus der verlängerten Werkbank der Welt deutlich sinken lassen könnte. Durch die Ankurbelung des Konsums der 740 Millionen Landbewohner, die mehr als die Hälfte der Bevölkerung stellen, soll die chinesische Wirtschaft weitere Schocks der US-Finanz- und Immobilienkrise besser abfedern können.

Bei Yuan scheinen die Pläne zu verfangen: Der Bauer ist begeistert von seiner Neuerwerbung - noch immer keine Selbstverständlichkeit in dem Land, wo gerade einmal 22 Prozent der Haushalte einen Kühlschrank besitzen. In den Geschäften boomt nun der Absatz von Kühlschränken, Fernsehern und Handys. Jede Bauernfamilie bekommt seit Anfang Januar den Rabatt für je zwei dieser Geräte.

Wirtschaftsexperten begrüßen die Aktion, die Lösung aller Probleme sei sie jedoch nicht. "Die Regierung versucht sicherzustellen, dass die Haushalte mit dem Wirtschaftswachstum Schritt halten", sagt Arthur Kroeber vom Beratungsunternehmen Dragonomics in Peking. Das Wachstum antreiben könnten die Haushalte aber nicht. "Das können nur Investitionen."

Auch für Familie Xu, die sich durch die begrenzte Dauer der Rabattaktion aus ihrem Bergdorf locken ließ und nun die lange geplante Kühlschrank-Anschaffung wagt, sind Rabatte für Geräte kein Allheilmittel. Zwar profitieren sie von der Maßnahme wie auch von der Abschaffung landwirtschaftlicher Abgaben. Die Xus klagen aber über steigende Preise, die immer mehr ihrer Einkünfte auffressen. Wegen des noch immer grobmaschig gestrickten sozialen Netzes musste sich die Familie Xu mit 5000 Dollar für die Behandlung von Herrn Xu verschulden, als dieser bei einem Unfall ein Bein verlor. Der neue Kühlschrank ist für die Xus daher eher ein Symbol, dass die Führung ihre Landbevölkerung nicht vergisst.

Yuan ist dennoch voll des Lobes über seine Neuanschaffung. Dank des Rabatts habe er sich sogar ein Gerät mit Garantie leisten können - und habe so einige Sorgen weniger. Angesichts der bevorstehenden warmen Jahreszeiten will er bald seine nächste Anschaffung tätigen. "Eine Klimaanlage", schwärmt der Bauer, der bei aller Konsumbegeisterung die Umwelt nicht aus dem Blick verliert. "Ich werde aber definitiv ein energieeffizientes Gerät kaufen."

Von Jason Subler, Reuters

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