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Nach 209 Jahren: Prinzenherz beigesetzt

Ein von dem französischen Historiker Philipe Delorme herausgegebenes Foto zeigt das Herz des schon mit zehn Jahren gestorbenen Ludwig XVII. in einem Kristallgefäß.
Ein von dem französischen Historiker Philipe Delorme herausgegebenes Foto zeigt das Herz des schon mit zehn Jahren gestorbenen Ludwig XVII. in einem Kristallgefäß.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Auf den Tag genau 209 Jahre nach seinem Tod ist das Herz des Sohnes von König Ludwig XVI. und Königin Marie-Antoinette standesgemäß in der Basilika von Saint-Denis beigesetzt worden. Zu der würdevollen Zeremonie in der königlichen Basilika nördlich von Paris waren am Dienstag 2500 hohe Gäste, Königstreue und Mitglieder aus europäischen Adelshäusern angereist.

Etwa 1.000 Schaulustige verfolgten die Messe für Ludwig XVII., 1795 im zarten Alter von zehn Jahren gestorben, auf mehreren Großleinwänden vor der Basilika. Das eingetrocknete Herz des ungekrönten Bourbonen war nach einer langen Odyssee in einer mit Alkohol gefüllten Kristallurne in einer angrenzenden Kapelle aufbewahrt worden. Jetzt fand es, hart wie ein Stein, die letzte Ruhe unter den Bourbonen in der königlichen Krypta von Saint-Denis.

Am Vormittag war in der Basilika unter Anwesenheit des päpstlichen Nuntius eine Messe für den Jungen gelesen worden. Mit Rufen wie "Es lebe der König!" feierten die Königstreuen danach Louis de Bourbon, den Ältesten in der direktesten Nachfolge der Bourbonen. Erst vor vier Jahren hatten deutsche und belgische Forscher mit Gentests nachgewiesen, dass das Herz tatsächlich dem 1785 geborenen Königssohn namens Louis Charles gehörte.

Der Junge war am 8. Juni 1795 in Gefangenschaft an Tuberkulose gestorben. Seine Eltern waren zwei Jahre zuvor von Revolutionären enthauptet worden. In der Messe ging der Honorar-Erzbischof von Tours, Jean Honor, vor allem auf das Martyrium des seinen Kerkermeistern ausgelieferten Jungen ein.

Jahrhunderte lang kursierten Gerüchte um den Bourbonen-Sohn, der aus dem Gefängnis geschmuggelt worden sein soll. Erst durch Gentests konnten alle Lügen ausgeräumt werden. Ein Vergleich mit Haarsträhnen von Schwestern Marie-Antoinettes brachten eindeutige Klärung.

Ein Arzt und Anhänger des Königshauses hatte das Herz nach einer Autopsie heimlich entwendet. Nach Umwegen über Österreich und Italien landete es 1975 in der Kapelle von Saint-Denis. Die feierliche Bestattungszeremonie setzt einen Schlussstrich unter das Rätsel um den Tod des Bourbonen, der als Ludwig XVII. hätte regieren können.

In der Basilika fanden die gekrönten Häupter Frankreichs seit dem Hochmittelalter ihre letzte Ruhe. Die Eltern des Dauphins sind aber nicht unter den dort bestatteten Ahnen. Der 1793 hingerichtete König Ludwig XVI. und Königin Marie-Antoinette wurden - wie in den revolutionären Zeiten üblich - in einem Massengrab verscharrt.

Quelle: n-tv.de