Mittwoch, 21. Februar 2007
Unternehmer aus Leidenschaft: RWE hat einen Neuen
von Sabine Ehrhardt, Reuters
Jürgen Großmann ist Unternehmer aus Leidenschaft. Nach 14 Jahren wird der 54-jährige Zwei-Meter-Mann wieder angestellter Manager und soll als Chef des Energiekonzerns RWE eine Strategie für die Zukunft entwickeln. Seine Berufung gilt als Überraschung, nachdem sich Großmann bisher in führenden Positionen ausschließlich in der Stahlbranche tummelte.
Nach seiner Zeit als Vorstand der Klöckner-Werke in Duisburg schrieb der in Mülheim an der Ruhr geborene Großmann in Niedersachsen Unternehmensgeschichte. Aus der Klöckner Edelstahl GmbH in Georgsmarienhütte bei Osnabrück, die er im Angesicht des drohenden Konkurses 1993 für den symbolischen Preis von zwei Mark übernahm, machte er ein gewinnträchtiges Stahlunternehmen. Großmann stellte die Produktion kurzerhand auf Elektro-Stahl um und konnte nun Schrott zur Stahlerzeugung verwenden. Bereits im Geschäftsjahr 1994/95 erzielte das Unternehmen, das nach seiner Heimatstadt benannt wurde, wieder Gewinn.
1997 entstand die Georgsmarienhütte Holding, zu der heute mehr als 40 Unternehmen zählen. Fast hätte Großmann im Jahr 2000 auch noch die marode bayerischen Maxhütte in seinen Konzern integriert, doch die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter scheiterten. Den größten Teil des Umsatzes macht die Stahlhütte mit Autobauern und -zulieferern - unter anderem mit VW.
Großmann redet und handelt gerne geradeheraus. Die Frage, ob er die Georgsmarienhütte im Zuge der Konsolidierung auf dem Stahlmarkt verkaufen wolle, beantwortete er einmal so: "Auch wer morgens sieben Schweine kauft, kann mittags nur ein Kotelett essen." Stattdessen schenkte er sich um den Ort zum Abschied als Vorstandschef 2006 die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte. Sie wurde zum 150-jährigen Firmenjubiläum gegründet und soll soziale und kulturelle Projekte fördern.
Mit der Politik befreundet
Fast hätte Großmann einen anderen Karriereweg eingeschlagen. Im vergangenen Jahr war er von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) als neutraler Aufsichtsratschef bei Volkswagen zwischen den beiden Großaktionären Porsche und dem Land ins Gespräch gebracht worden. Wulff stammt selbst aus Osnabrück und ist mit Großmann befreundet. Der Unternehmer sitzt seit Mai 2006 zwar im Kontrollgremium von Europas größtem Autobauer - aber den Chefposten behauptet Ferdinand Piech.

