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Mittwoch, 04. Juli 2007

Kupferindustrie in Bewegung: Rätsel um Motive

Die europäische Kupferindustrie gerät in Bewegung, doch noch ist unklar, in welche Richtung. Am Donnerstag treffen sich in Wien der Chef der Norddeutschen Affinerie (NA), Werner Marnette, und der österreichische Industrielle Mirko Kovats, um die Weichen für eine Neuordnung der Branche zu stellen. Die Ausgangsposition vor diesem Gespräch ist etwas unübersichtlich. "Die Nebel sollten sich bald lichten", sagt ein hoher Manager der Norddeutschen Affinerie, der größten europäischen Kupferhütte.

Einige Fakten liegen klar zu Tage: NA-Chef Marnette hat vor zehn Tagen angekündigt, den belgischen Konkurrenten Cumerio übernehmen zu wollen und in zwei Telefonkonferenzen europaweit die "industrielle Logik" und die "großen Chancen" dieser Fusion beschworen. Daraus wird erst einmal nichts. Denn das Angebot der NA war an die Bedingung geknüpft, dass sie mindestens 80 Prozent der Anteile an Cumerio bekommt. Nun hat aber Kovats über seine Wiener Industrieholding A-Tec bereits mehr als 20 Prozent an Cumerio gekauft und angekündigt, diese Anteile langfristig zu behalten und eventuell noch aufzustocken. Die angestrebten 80 Prozent sind für Marnette ohne Kovats nicht mehr erreichbar.

Zudem hält der österreichische Investor 15,1 Prozent an der Norddeutschen Affinerie. Die meisten dieser Aktien stammen aus einem Paketverkauf der Lübecker Possehl-Gruppe, die nach dem Wunsch von Marnette die Aktien breit streuen sollte. Doch die beauftragte Commerzbank verkaufte das gesamte Possehl-Paket an Kovats, was Marnette zu wütenden Vorwürfen veranlasste. Der streitbare Hamburger Manager, der sich wegen seines Engagements gegen hohe Strompreise auch bundesweit einen Namen gemacht hat, wollte den Einfluss eines Großaktionärs verhindern.

Die Strategie des Österreichers ist nicht auf den ersten Blick verständlich. Er wirft Marnette öffentlich vor, mit 30 Euro pro Aktie und insgesamt 777 Mio. Euro einen zu hohen Preis für Cumerio zu erzielen. Doch gleichzeitig kaufte er Cumerio-Aktien, vermutlich zum gleichen Preis. Denn kein Verkäufer hat Interesse daran, unterhalb des Börsenkurses und des vorliegenden Angebots der NA seine Aktien abzugeben. Dieses Verhalten von Kovats bewerten Aktienanalysten und auch die Manager in der NA als widersprüchlich.

Kovats selbst, der in österreichischen Wirtschaftskreisen als schillernde Figur gilt, will offenbar ein großes Rad drehen, die gesamte europäische Kupferindustrie neu ordnen und die Affinerie, Cumerio und seine eigene Recycling-Hütte im westösterreichischen Brixlegg unter einem Dach zusammenführen. "Die Industriegruppe beabsichtigt eine enge Einbindung bei der Bildung eines neu entstehenden europäischen Kupfer-Konglomerats", teilte A-Tec mit. Nach Berechnungen der "Financial Times Deutschland" hat Kovats aber schon deutlich mehr als 300 Mio. Euro in seine Kupfer- Engagements investiert und ist finanziell limitiert. Von Bankanalysten wird angezweifelt, ob ein großer Zusammenschluss vor dem europäischen Kartellrecht bestehen kann.

Die Absichten von Kovats sind undurchsichtig, die Möglichkeiten von Marnette begrenzt. Er kann sich mit Kovats arrangieren und Cumerio übernehmen oder sein Kaufangebot zurückziehen. Das Gespräch der beiden Männer, die sich bislang nur flüchtig von einer kurzen Begegnung am Rande einer Wohltätigkeitsveranstaltung kennen, soll am Donnerstag Klarheit bringen.

Von Eckart Gienke, dpa

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