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Montag, 27. Februar 2006

Sterntaler und Talente: Regionalwährungen im Aufwind

Von Sandra Tjong

Seine Dieselrechnung hat Peter Fritzenwenger unlängst zu einem Drittel mit Sterntalern bezahlt. Die bunten Coupons aus Papier erinnern auf den ersten Blick an einfach hergestelltes Spielgeld, sind aber einiges mehr wert: Sie dienen als Regionalgeld im Berchtesgadener Land und können dort in vielen Geschäften statt des Euro verwendet werden. Der Wert eines Sterntalers entspricht dem eines Euro.

"Wir kaufen inzwischen gut 40 Prozent des Haushaltsbedarfs mit Sterntalern ein und zunehmend auch Betriebsmittel", erzählt Fritzenwenger, der in Oberteisendorf nahe Traunstein Schweine artgerecht hält und Holz vertreibt. Vor eineinhalb Jahren ist der 54-jährige Landwirt dem Verein für organisierte Nachbarschaftshilfe "Star" in Ainring beigetreten, die Voraussetzung, um die Regionalwährung verwenden zu dürfen.

Und die erfreut sich eines beachtlichen Zulaufs. Seit Beginn der Initiative im April 2004 konnte der Verein 650 Mitglieder gewinnen, allein im vergangenen Jahr verdoppelte sich deren Anzahl. In der Region nehmen mittlerweile an die 165 Betriebe die Sterntaler an, wie Initiator Franz Galler berichtet. Dazu gehören auch einige Geschäfte im Chiemgau. Dort gibt es zwar ein eigenes Regionalgeld, den Chiemgauer, doch die beiden Vereine kooperieren in den Überschneidungsgebieten. Waren es anfangs vor allem Bäckereien, Gärtnereien und Handwerker, die bei der Initiative mitmachten, gehören inzwischen auch Computerfachleute und PR-Berater dazu.

Das Phänomen der Komplementärwährungen gedeiht in Südostbayern besonders gut, ist aber bundesweit zu beobachten. Inzwischen gibt es bereits 14 "Regios", weitere 35 befinden sich nach Informationen der Arbeitsgemeinschaft für Regionalwährungen im Aufbau. Das Hauptanliegen der Initiatoren ist es, die regionalen Wirtschaftskreisläufe zu stärken. Die Verbraucher können die Coupons nur in Geschäften der Region verwenden, die sich - so die Idee - ihrerseits Geschäftspartner aus der Umgebung suchen, um die eingenommenen Gutscheine wieder auszugeben. Damit die Coupons im Umlauf bleiben und den Handel ankurbeln, verlieren sie alle drei Monate an Wert.

Die Kaufkraft des Sterntalers sinkt zum Quartalsende jeweils um drei Prozent. Wer die Gutscheine dann noch im Geldbeutel hortet, muss sie in einer der neun Ausgabestellen "aufwerten", bevor er sie wieder ausgeben kann -kleine Klebemarken auf der Rückseite dienen als Nachweis. Und wer die Sterntaler wieder in Euro eintauschen will, bekommt nur noch 90 Prozent des Wertes in Euro zurück. "Rein vom Monetären betrachtet, zahlt man erst mal drauf", räumt Fritzenwenger ein. "Dafür haben wir aber Kundschaft, die nur wegen der Sterntaler zu uns kommt, die Kundenbindung wird enger. Außerdem kaufe ich bewusster ein, weil ich mir genau überlege, was ich brauche und wo ich es bekomme."

Hinzu kommt soziales Engagement: Seit Jahresbeginn kommen drei Prozent jedes verkauften Sterntalers zwei Kindergärten oder einer Förderschule der Region zugute. Mit dem übrigen Geld deckt der Verein seine laufenden Kosten, zu denen auch die Entlohnung der Helfer gehört. "Bei uns arbeitet keiner ganz umsonst", betont Galler, der hauptberuflich als Finanzberater tätig ist.

Gezahlt wird mit Talenten, der Zeitwährung des ursprünglich als Tauschring gegründeten Vereins. Fünf Talente erhalten die Mitarbeiter pro Stunde. Für zehn Talente können sie die Arbeitskraft eines anderen Vereinsmitglieds eine Stunde lang in Anspruch nehmen, beispielsweise in Form von Nachhilfe. "Wir haben auch schon Minijobs geschaffen", erzählt Galler. Die Sozialabgaben und Steuern dazu müssen freilich in Euro abgeführt werden.

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