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Sänger der Königin: Salvatore Adamo wird 65

Vielleicht hätte er "Dolce Paola" besser nicht geschrieben. Der belgische Chansonnier Salvatore Adamo hätte dann zwar einen musikalischen Welterfolg weniger - aber vielleicht hätte ihm das Schweigen über die "süße Paola" mancherlei Nachrede erspart. Als er 1964 vor 80.000 Zuschauern in einem Brüsseler Stadion der italienisch-stämmigen Prinzessin Paola eine rote Rose überreichte und die Schönheit einer lebenslustigen jungen Dame namens Paola besang, gab es für die Klatschpresse in Europa kein Halten mehr: Lief da etwas zwischen dem Sänger und einer traurigen belgischen Prinzessin?

Heute ist Paola (71) Königin der Belgier. Ihr Mann, König Albert II., hat sich zu einer schweren Ehekrise bekannt, damals in den 60er-Jahren - auch weil mittlerweile eine 1969 geborene außereheliche Tochter auftauchte. Salvatore Adamo hat gut 90 Millionen Schallplatten verkauft und feiert am 1. November seinen 65. Geburtstag. Das etwas leichtfüßige Image von einst ist er nie ganz losgeworden, mochte es möglicherweise auch nicht missen. Doch seit 1960 macht er nicht nur höchst erfolgreich Musik, sondern versucht auch die Welt ein bisschen besser zu machen.

Salvatore Adamo wird oft für einen französischen Chansonnier gehalten - ein Schicksal, das er mit seinem 1978 gestorbenen belgischen Landsmann Jacques Brel teilt. Geboren wurde er in Comiso (Sizilien). Als Vierjähriger kam er nach Mons unweit der französischen Grenze, wo sein Vater Arbeit als Bergmann gefunden hatte und sich mühte, die neunköpfige Familie durchzubringen. In der Schule fiel Adamo durch überdurchschnittliche Intelligenz ebenso auf wie durch eine raue, rauchige und gelegentlich etwas brüchige Stimme. Als Teenager gewann er erste Gesangswettbewerbe, als 20-Jähriger führt er erstmals die belgische Hitparade an.

Zwischen seichtem Schlager ("Gestatten Sie, Monsieur?") und lyrischem Anliegen ("Inch'Allah") bewegt sich sein Werk, zwischen "Es geht eine Träne auf Reisen" und dem Lied zum Mauer-Fall "Berlin, Ce Jour-l". Dabei haben viele der großen Autoritäten in Sachen Chanson, von Brel bis Charles Aznavour, den Kollegen Adamo stets als ein Schwergewicht betrachtet, als einen der ihren also. Im Laufe der Jahre hat sich Adamo, der einst Journalist werden wollte, auch musikalisch zunehmend um politische und gesellschaftliche Probleme gekümmert. Er sang gegen Rassismus und Krieg. Ganz besonders engagierte er sich in Kampagnen gegen Kindesmissbrauch und für Kinderrechte ("Laissez rver les enfants"). Adamo ist seit 1969 mit einer Jugendfreundin verheiratet und Vater zweier Söhne.

1984 hatte er einen Herzinfarkt und eine Bypass-Operation, 20 Jahre später verbrachte er nach einem Schwächeanfall in Paris erneut längere Zeit im Krankenhaus. Das hat Adamo freilich nicht daran gehindert, wieder zu schreiben, zu singen und aufzutreten. Zahlreiche Ehrungen hat er bekommen: 2001 wurde er zum Ritter ernannt. 1999 sang Adamo bei einem Fest im Wintergarten des Schlosses Laeken kurz vor der Hochzeit von Thronfolger Prinz Philippe und dessen Verlobter Mathilde. 2007 dann widmete er Mathilde eines seiner Lieder. Philippe habe darum gebeten, erzählte Adamo: "Da seine Mutter Paola ein Lied hat, fand er, dass seine Frau auch eines verdient." Einem Wunsch des Königshauses verschließt sich Salvatore Adamo nicht.

Von Dieter Ebeling, dpa

Quelle: n-tv.de