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Montag, 17. Oktober 2005

Wagoner zieht Notbremse: Spar-Offensive bei GM

General-Motors-Konzernchef Rick Wagoner hat mit einer breit gefächerten Offensive zur Bewältigung der ausufernden Milliardenverluste in Nordamerika einen schnelleren Gang eingeschaltet. Wagoner einigte sich mit der Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW auf eine Senkung der Ausgaben zur Gesundheitsversorgung für hunderttausende GM-Arbeiter um jährlich drei Mrd. US-Dollar vor Steuern.

Zudem will er eine nicht genannte Zahl von Werken in Nordamerika schließen und 25.000 oder mehr Stellen streichen. Die Kosten für die Materialbeschaffung sollen um netto eine Mrd. US-Dollar pro Jahr reduziert werden. Er will so jährlich insgesamt fünf Mrd. US-Dollar einsparen.

Schließlich hat er begonnen, den Verkauf einer Kontrollmehrheit an dem größten GM-Gewinnbringer, der Finanztochter GMAC (General Motors Acceptance Corporation), an einen "strategischen Partner" in Erwägung zu ziehen. Dies sehen einige Beobachter als einen Ausverkauf der Kronjuwelen. Dagegen begründete Wagoner dies mit günstigeren Mittelbeschaffungs-Möglichkeiten für die Finanztochter. Allerdings fragen sich Fachleute, wie er den GMAC-Gewinnbeitrag von 2,5 Mrd. US-Dollar wettmachen will, der bei einem Teilverkauf entsprechend reduziert würde.

GM hatte zuvor bereits den Verkauf einer 20-prozentigen Beteiligung an dem Subaru-Hersteller, der japanischen Fuji Heavy Industries, sowie die Veräußerung einer 60-prozentigen Beteiligung an der kommerziellen Hypothekensparte von GMAC an eine Investorengruppe angekündigt. Der Fuji-Verkauf bringt im laufenden Quartal rund 800 Mio. US-Dollar in die Kasse.

Die Wall Street belohnte die neuen Wagoner-Pläne am Montag mit einem kräftigen Kursaufschlägen bis auf 31 US-Dollar. Zum Jahresende 2004 hatten die GM-Aktien noch bei 40,82 US-Dollar gelegen. Der Milliardär Kirk Kerkorian hat eine GM-Beteiligung von 9,9 Prozent erworben. Er dürfte Wagoner Druck machen, falls der US- Absatz nicht bald gesteigert, Gewinne verbucht und weitere massive Kostenersparnisse durchgesetzt werden.

GM verbuchte in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Verlust von 3,8 Mrd. US-Dollar verbucht gegenüber einem Gewinn von 2,9 Mrd. US-Dollar in der entsprechenden Vorjahreszeit. Im dritten Quartal waren allein rote Zahlen von 1,6 Mrd. US-Dollar angefallen, die fast ausschließlich auf das marode nordamerikanische Autogeschäft zurückzuführen waren. Die Insolvenz des Zulieferers Delphi, der ehemaligen GM-Teilesparte, dürfte weitere Mrd. kosten.

GM kämpft im heimischen Markt trotz riesiger Discounts mit schrumpfenden Absatzzahlen und Marktanteilen, während die japanischen Erfolgskonkurrenten Toyota, Nissan und Honda sowie die südkoreanische Hyundai-Gruppe GM immer mehr Kunden abnehmen. Die Benzinpreis- Explosion trifft GM mit seinem Schwerpunkt auf große Geländewagen und Pickups besonders stark. Ihr Absatz und die Preise sind stark rückläufig, und die Pkw-, Crossover- und andere Automodelle sind lange nicht so gewinnbringend. Wagoner hofft, zukünftig mit geringen Verkaufsrabatten arbeiten zu können, doch haben die meisten Autofachleute ihre Zweifel, dass GM dies schaffen wird, ohne im Heimatmarkt noch mehr Kunden zu verlieren.

Von Peter Bauer, dpa

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