Donnerstag, 14. Februar 2008
Die Konflikte des Klaus Z.: Starimage mit Kratzern
Nein, als uneitel gilt Klaus Zumwinkel nicht. Er gehört zu der Generation Manager, die es durchaus lieben in der Öffentlichkeit zu stehen. Mit gewählter Ausdrucksweise und hochwertigem Kleidungsstil ist er weltgewandter und eloquenter als viele seiner Amtskollegen. Dabei half ihm die frühe finanzielle Unabhängigkeit durch den Verkauf des Familienunternehmens Zumwinkel. Als er 2003 zum "Manager des Jahres" gewählt wurde, sah er sich endlich angemessen respektiert. Und tatsächlich ist das von ihm Erreichte beachtlich. Die Wandlung der Post vom staubigen Monopolisten zum Weltkonzern ist durchaus zum Teil eine Erfolgsgeschichte.
Klaus Zumwinkel ist geprägt von seinen internationalen Erfahrungen. Seine Studienzeit in Philadelphia und die Laufbahn als Berater und späterer Manager bei McKinsey prägte den Macher. Sich auf Deutschland zu beschränken war nie seine Sache. Umso erstaunlicher war sein Antritt beim gelben Riesen im Jahr 1989.
Erklärbar war der neue Job auch mit den Erfahrungen beim Quelle-Konzern. An der Spitze des Versandhandels wirkte Zumwinkel stets wie ein Fremdkörper. Die Auseinandersetzungen mit Grete Schickedanz zermürbten den Manager. Die Mentalität einer deutschen Unternehmerin mit eingeschränktem Blickwinkel passte nicht zum globalen Denken eines Klaus Zumwinkel. Dennoch sanierte er Quelle recht erfolgreich, wie er überhaupt in der Sache stets klare Ziele und eine kohärente Strategie verfolgt. Der Abgang kam zwar etwas plötzlich, aber nicht überraschend.
Daneben war Zumwinkel für die Politik der rechte Mann zur rechten Zeit. Seine Sprache und die weltmännische Attitüde passte in das Denken der frühen Neunziger. Beginnende Globalisierung, neue Märkte weltweit, das ist Zumwinkels Metier. "Think Big" als Strategie, das hörten die Politiker damals noch gerne. Als Antwort auf die neuen Herausforderungen kam das gerade recht. Dabei wirkte er nie hektisch oder emotional. Seine Gemütslage bewege sich immer auf gleichem Niveau, so erklärte er einmal seine Gelassenheit.
Doch Zumwinkel schrieb nicht nur Erfolgsgeschichten. Zwar ist die Post zu einem Logistikriesen gewachsen und kann es mit jedem Konzern der Branche weltweit aufnehmen. Aber beispielsweise sein Zukauf in der USA, die DHL, ist nicht unumstritten. Der Preis war hoch und Gewinne gab es bisher keine. Doch der Vorteil einer Wachstumsstrategie ist schlicht die Möglichkeit Rückblenden aus dem Weg zu gehen. Wer anhält muss reflektieren, wer weiter läuft kann nur nach vorne sehen.
In jüngster Zeit wurde das Image noch weiter angekratzt. Kurz nach dem Beschluss des Post-Mindestlohns machte Zumwinkel Kasse und verkaufte Aktien im Millionenwert. Wirtschaftlich verständlich, doch als Antreiber der politischen Entscheidung moralisch höchst verwerflich. Dass parallel dazu mehr als 1000 Pin-Mitarbeiter auf die Straße geschickt wurden, wurde ihm in der Öffentlichkeit übel genommen. Die Verbalangriffe vom Dezember letzten Jahres haben auch ihm, dem stahlharten Manager, weh getan. Das gab er später zu. In einer Weihnachtsbotschaft entschuldigte er sich und gestand ein: "Ich verstehe die öffentliche Kritik und weiß jetzt, dass der Zeitpunkt inmitten einer intensiven politischen Diskussion falsch war."
Auch der Umgang mit der Postbank ist fragwürdig. Vor nicht allzu langer Zeit galt das Geldinstitut als unverkäuflich und eine der Kernkompetenz des Konzerns. Dann kam Anfang 2008 der Kurswechsel. Ein "nationaler Bankriese" soll entstehen und die Postbank dazu an eine andere Bank verkauft werden. Für viele Experten ist der Schachzug einfach: Mit dem Gewinn aus dem Postbank-Verkauf soll das Finanz-Debakel DHL verschleiert werden. Die Milliarden-Einnahmen sollen die Bilanz im grünen Bereich halten. Wie lange das gut geht ist allerdings fraglich, denn viel Tafelsilber gibt es nicht mehr im Post-Konzern.

