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Freitag, 06. Februar 2009

Ins "kulturelle Zentrum": Suhrkamp zieht nach Berlin

60 Jahre nach seiner Gründung zieht der Suhrkamp Verlag Anfang 2010 von Frankfurt nach Berlin. In Frankfurt am Main werde neben den drei Stiftungen eine Dependance des traditionsreichen Hauses bleiben, teilte der Verlag mit und beendete damit wochenlange Spekulationen um seinen Umzug.

Alle Beschäftigten könnten mitkommen, kündigte Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkwicz an. 80 Prozent der 130 Mitarbeiter haben sich allerdings gegen den Umzug ausgesprochen. In Berlin hat der 1950 von Peter Suhrkamp gegründete Verlag im Jahr 2006 eine Dependance eingerichtet.

Berlin knüpfe als Hauptstadt und kulturelles Zentrum wieder dort an, wo es nach dem Krieg zum Aufhören gezwungen wurde, begründete Unseld-Berkwicz den Umzug. "Außerdem ist es doch im Moment so: die Lage politisiert sich bis tief hinein ins kulturelle Leben, da muss Suhrkamp vor Ort sein", sagte die Verlegerin dem TV-Sender 3sat. Heute sei "eben das Labor in Berlin" - wie es einst in den 1960er Jahren Frankfurt gewesen sei.

"Bedeutende Nachricht für die Verlagsstadt Berlin"

Nach dem Tod des Verlagspatriarchen Siegfried Unseld im Jahr 2002 hatte dessen Witwe Unseld-Berkwicz die Macht bei Suhrkamp übernommen. Der Verlag bestätigte erstmals im Januar, dass ihm seit längerem bereits eine "Einladung" des Berliner Senats vorliege. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hatte vor wenigen Tagen sein Interesse an der Ansiedlung des traditionsreichen Verlags bekräftigt. In einer ersten Reaktion begrüßte er die Umzugs-Entscheidung als "eindeutiges Bekenntnis" Suhrkamps für die Hauptstadt. Der Berliner Kulturstaatssekretär Andr Schmitz sprach von einer "bedeutenden Nachricht für die Verlagsstadt Berlin", eine Stadt, in der auch die meisten deutschsprachigen Autoren lebten.

Der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth bedauerte die Entscheidung Suhrkamps. Die Stadt habe der Verlagsführung substanzielle Vorschläge zum Verbleib gemacht. "Wir bedauern, dass solche intensiven Gespräche mit dem Verlag, um die wir uns schon seit vielen Monaten bemühen, erst in den letzten Wochen möglich waren."

Schlussstrich unter Fehde der Gesellschafter

Mit der Umzugs-Entscheidung zog Suhrkamp nach eigenen Angaben zugleich einen Schlussstrich unter die juristischen Fehden zwischen den Verlags-Gesellschaftern, die in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen sorgten. Die Unseld-Familienstiftung unter Vorsitz von Verlegerin Unseld-Berkwicz sowie die Winterthurer Medienholding AG hätten ihre vor dem Landgericht Frankfurt anhängigen Prozesse durch einen Vergleich beendet, teilte der Verlag mit.

Teil der Einigung sei, dass die Unseld-Stiftung eine zeitlich befristete Möglichkeit zum Erwerb der Verlagsanteile der Medienholding habe. Diese Minderheitsanteile hält der Hamburger Unternehmer Hans Barlach. Er hat sich zuvor ebenfalls für einen Umzug nach Berlin ausgesprochen.

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