Montag, 04. Februar 2002
Salomonisches Urteil: Tchibo-Familienstreit beendet
Die Tchibo-Eigentümer-Familie Herz hat ihren lange schwelenden Streit um den Tchibo-Konzern beigelegt. Die Lösung fiel geradezu biblisch aus - der Konzern wird aufgeteilt.
Wie das "Handelsblatt" berichtete, erhalten die Brüder Michael, Wolfgang und Joachim Herz, die 50,5 Prozent der Anteile der Hamburger Tchibo-Holding halten, die Kaffee- und Gebrauchsartikel-Sparte. Ex-Konzernchef Günter Herz übernimmt mit Schwester Daniela die Mehrheit beim Kosmetikkonzern Beiersdorf. Beide halten zusammen 39,6 Prozent der Tchibo-Anteile. Bislang hielt die Tchibo-Holding 30 Prozent an Beiersdorf, 75 Prozent an dem Hamburger Zigarettenkonzern Reemtsma und 100 Prozent an der Tchibo-Frisch-Röst Kaffee GmbH.
Um die jetzt gefundene Lösung zu ermöglichen, werden die Anteile an Reemtsma verkauft. Anschließend wird die Familie die 30-Prozent-Beteiligung an Beiersdorf aufstocken. Möglich macht dies das langjährige Vorkaufsrecht der hanseatischen Familie auf das Aktienpaket der Beiersdorf AG, das derzeit die Allianz Versicherung hält.
Die Mehrheitsübernahme durch die Tchibo-Geschwister dürfte aber in der Führungsetage von Beiersdorf keine Jubelschreie ausgelöst haben. Erst in der letzten Woche war aus Unternehmenskreisen durchgesickert, dass der Kosmetikkonzern heimlich von einer Übernahme durch die Allianz träumt. Die jetzige Situation galt aufgrund der Spannungen bei der Familie Herz als schlechteste Lösung.
Nun hat die Familie Herz aber offenbar ihre Streitigkeiten geklärt. Offen ist jetzt nur noch, wie der Erlös aus dem Verkauf der Reemtsma-Anteile aufgeteilt wird und ob sich etwas an der 9,9 prozentigen Beteiligung der Mutter Ingeborg an der Tchibo-Holding ändert.

