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Montag, 13. August 2007

Erst Gier - jetzt Angst: US-Hypothekenkrise

Die ausufernde US-Immobilien- und Hypotheken-Krise lässt sich auf einen Nenner bringen: Erst die Gier und jetzt die große Angst. Erst hatten rasant steigende amerikanische Immobilienpreise die Gier bei den amerikanischen Hausbesitzern und bei den Geldgebern für Hypothekenkredite verstärkt. Sie führte zu einem beispiellosen Bau- und Immobilienmarktboom und zu einer Spekulationswelle mit einer teilweisen Verdoppelung der Immobilienpreise während der vergangenen fünf Jahre. Nun geht auf den Märkten trotz der Beruhigungspillen durch die Notenbanken die Angst um.

Der Immobilienrausch hat die Mehrzahl der Amerikaner in den vergangenen Jahren mitgezogen. Rund 70 Prozent der 300 Millionen US-Bürger leben in den eigenen vier Wänden, sprich sie besitzen Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen. Sie fühlten sich reich und trieben die US-Konjunktur mit dem Konsum auf Pump an. Bei steigenden Hauspreisen nutzten sie die dramatische Niedrigzinspolitik der US-Notenbank nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 für ständige Umschuldungen ihrer Hypothekenkredite. Millionen verschafften sich zusätzlich so genannte "Home Equity Loans", sprich Kreditlinien, die mit einer zweiten Hypothek auf das eigene Haus abgesichert waren.

Unz ählige Hypotheken-Firmen

Dies lief für Geldgeber wie für Kreditnehmer zunächst wie am Schnürchen. Banken, Hypothekenbanken und wie Pilze aus dem Boden schießende Hypotheken-Firmen und -makler sowie andere Geldgeber vergaben reichlich Kredite für den Hauskauf und sahnten dabei jahrelang in großem Stil ab. Sie verkauften die Hypothekenkredite sofort weiter an Investmentbanken, Hedge-Fonds und andere Geldgeber. Diese stückelten sie dann und verpackten sie in neue Wertpapiere, die mit den Hypothekenkrediten abgesichert waren. Diese wurden wiederum weltweit an Rendite suchende Anleger weiter veräußert.

Selbst Millionen Amerikaner mit schlechtem Kredit-Rating bekamen von den Banken und anderen Geldgebern teilweise hochriskante Hypothekenkredite mit variablen Zinsen zu anfänglichen Sonderkonditionen aufgedrängt, die sogenannten "Subprime Mortgages". Die Hauskäufer mussten dabei keine Lohn- oder Einkommensbestätigungen vorlegen. Hypothekenfirmen und Banken hatten somit keinerlei Möglichkeit, sich zu vergewissern, dass die Hauskäufer auch tatsächlich in der Lage waren, ihre monatlichen Zahlungen zu leisten. Oftmals gab es die Kredite für den Hauskauf auch ohne oder nur mit minimaler Anzahlung.

Zwischenzeitlich waren die US-Zinsen jedoch deutlich gestiegen. Es kam in den vergangenen Monaten zu einem dramatischen Fast-Stillstand mit fallenden Immobilien-Preisen, unzähligen Verkaufsschildern vor den Häusern und einer rasant steigenden Zahl zahlungsunfähiger oder -unwilliger Hausbesitzer.

15 Prozent im Zahlungsrückstand

Die Auswirkungen auf die Geldgeber, sprich Banken, Versicherungen, Hedge-Fonds und andere institutionelle Anleger in aller Welt sind noch nicht absehbar, da allein in den vergangenen zwei Jahren rund 1,4 Billionen Hypothekenkredite mit variablen Zinsen in den USA vergeben wurden. Bei Hypothekenkrediten mit einem Gesamtvolumen von einer Billion Dollar stehen bis Ende 2008 teilweise starke Zinserhöhungen an.

Millionen Amerikaner, die sich schon jetzt die monatlichen Hypothekenbelastungen kaum leisten können, werden dann noch stärker zur Kasse gebeten. Rund 15 Prozent der Subprime-Kreditnehmer sind bereits mit ihren Zahlungen im Rückstand. Diese Zahl dürfte in den kommenden Monaten noch stark steigen. Mehr als eine Million US-Bürger könnten ihre Häuser durch Pfändung verlieren, schätzen Immobilienexperten. Dies würde das Gesamtangebot im Immobilienmarkt noch stärker erhöhen und die Preise weiter drücken.

Banken, Hedge-Fonds, Investmentfonds, Versicherungen und andere Finanzdienstleister in aller Welt sitzen auf Milliarden unverkäuflicher Wertpapiere, die mit den "Subprime"- Hypothekenkrediten abgesichert sind. Ein Ende der amerikanischen Immobilien- und Hypothekenmarkt-Krise ist somit noch lange nicht in Sicht.

Peter Bauer, dpa

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